Radreise im DRAHTESEL

Unser Beitrag wurde gerade im Drahtesel veröffentlicht!! 🙂

Der Beitrag zum Lesen: HIER

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Fotovortrag in der Urania

Es ist soweit!!

Wir laden euch zu unserem großen Reisevortrag ein!! 🙂

Zwei Träume, zwei Räder, eine Welt – mit dem Fahrrad von Wien bis Malaysien

Es gibt viele viele tolle Fotos mit Geschichten und Musik!!

Wann: 28.September 2016 von 19.00-21.00

Wo: VHS Urania

Da die Urania mit ihrem neuen System Schwierigkeiten hat, findet man unseren Vortrag leider nicht online. Auch die Kartenreservierung per Mail (Kursnummer 16.01.7102.00.002) stellt sich als etwas kompliziert heraus, da man Geburtsdatum und Adresse angeben muss und anschließend einen Zahlschein zugeschickt bekommt. Eigenartig und umständlich. Deshalb:

Einfach direkt vor dem Vortrag Karten an der Kurskassa kaufen!

Gerne weitersagen und weiter einladen!!

Wir freuen uns auf euer Kommen!! 🙂

Betti und Claudi

ReisePoster

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Radreise reist ins Radio

Ein gemütliches Jahr mit dem Fahrrad von Wien bis Kuala Lumpur und ein Weltrekordversuch von Kairo nach Kapstadt – zwei sehr unterschiedliche Radreisen treffen sich im Radio Orange!

Gemeinsam mit Michael Strasser, einem Triathleten, hatte Claudia das Vergnügen live interviewt zu werden. Der Beitrag wurde in Radio Rhabarber, einer Sendereihe auf Radio Orange, am 15.1.2016 ausgestrahlt und kann unter folgendem Link nachgehört werden:

http://cba.fro.at/305901/embed?&description=true&series_link=true

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fröhlich fragen Fragen

Uns häufig gestellte Fragen und ein paar mehr haben wir zu einem ausführlichen Interview zusammengefasst.

Würdet ihr so eine Radreise nochmal machen?
Betti: Auf jeden Fall!
Claudi: Oh ja!! Und kürzere kleinere Radtouren sind auch toll!

Kann ich auch so eine Reise machen? Wie fit muss ich sein?
Ja klar! Yes, you can! Jeder kann eine Radreise machen. Ob jung oder alt, allein oder zu mehrt, als Frau oder Mann…jeder der sich halbwegs gesund fühlt, sich am Rad sicher fortbewegen kann und gerne radfährt kann sich eine Radreise zu trauen. Das Tempo, die Streckenführung, ob sportlich oder auf gemütlich das bestimmt jeder für sich. Radreisen ist kein Wettbewerb, es gibt keine Sieger oder Verlierer. Jeder ist ein Held auf seine eigene Art und Weise.
Wir haben für die Reise im Vorfeld nicht trainiert. Jedoch bewegen wir uns gerne und legen auch in Wien alle Strecken mit dem Rad zurück bzw. gehen ab und zu laufen, wandern, langlaufen…alles was Spass macht. Befindet man sich auf einer Radreise, dann wird man fast automatisch mit jedem Tag fitter und fitter. Und ja, wie bereits erwähnt, Radreisen ist kein Leistungswettberwerb. Du kannst soviele Kilometer radln oder Pausen einlegen wie du möchtest. Es gibt hier keine Vorgaben.

Was war das Schönste an der Reise?
– täglich den ganzen Tag in der Natur sein
– frühmorgendliches Vogelgezwitscher
– abendliches Aufblinzeln der Sterne
– Kamele auf den Strassen
– zu sehen wie Mangos, Lycee, Cashewnuss wachsen und neue Früchte entdecken
– andere Kulturen, andere Menschen, anderes Essen, andere Lebensweisen, Sprachen, Schriftzeichen kennenlernen
– ganz krass andere Landschaften: Osttibet, tadschikische Hochebene, Wüste, Unterwasserwelt
– Islamische Gastfreundschaft

Was war das Unangenehmste?
– Hitze, ständig verschwitzt und dreckig sein
– stinkende Unterhosen, egal wie gut sie gewaschen werden
– Gelsen und Ameisen
– chinesische Sprachbarrieren und chinesische Hupen
– viel zu schnelle LKWs und viel zu knapp an uns vorbei
– Verwesungsgeruch der Tierkadaver am Straßenrand

Welches Land hat euch am besten gefallen?
Alle. Jedes Land ist speziell und auf seine Weise schön.

– Osttibet ist inspirierend. Jeden Tag ein anstrengender hoher Pass mit genialer Aussicht, bunte tibetische Kultur, Berghänge in Herbstfarben.
– In der Türkei sind wir aus dem Staunen über die Gastfreundschaft nicht mehr hinausgekommen. Auch Landschaftlich ein tolles Radreiseland. Gutes Essen, überall Trinkwasserbrunnen, überall Zeltplätze.
– Laos. Die kleinen urtümlichen Dörflein, eingebettet in saftig grünen Jungelwaldhügeln.
– Uzbekistan. Die bezaubernden Altstädte Khiva und Bukhara.
– Die beeindruckenden Berglandschaften von Tadschikistan, Kirgistan, Mazedonien, Serbien und Kazachstan.
– Die Wüste in Kazachstan.

Welches Land war am Härtesten?
Uzbekistan. Wüste, Wüste, Wüste. Staub, Sand, Staub. Dazu fleischige Nudelsuppe und Wassermelonen. Und Durchfall. Die Städte sind beeindruckend und sehr sehenswert! Uzbekistan ist einfach kein Radreiseland. Fast alle Radler, die wir getroffen haben, hatten in Uzbekistan ein Reisetief.

Wie sind euch die Menschen begegnet?
Überall waren die Menschen freundlich. 99.9% der Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es halt. In unterschiedlichen Kulturen sind sie auf eine andere Art freundlich. Überall haben wir Hilfe bekommen, wenn wir welche gebraucht haben. Oft sogar ohne dass wir sie gebraucht hätten.

Die Türken sind am direktesten im Zugehen auf Fremde. Sie sind neugierig, wollen dir alles zeigen, helfen und dich einladen. Auf zentralasiatischen Schnellstraßen beschränkt sich die direkte Neugierde oft auf die schnell zugeworfene Frage woher du kommst. In Bergdörfern sind die Begegnungen viel herzlicher.
Menschen, die Zeit haben, sind freundlicher.
Was die Menschen interessiert ist kulturabhängig. In muslimischen Ländern fragen sie woher du kommst und anschliessend, ob du verheiratet bist. In Thailand fragen sie wohin du fährst.

Was hat euch überrascht?
– Eine Gelse in der Wüste. Regentropfen in der Wüste.
– Wie heiss heiss sein kann.
– In der Türkei hat uns jemand, den wir gerade 10 Minuten kannten, plötzlich den Schlüssel für sein Haus in die Hand gedrückt und gesagt wir sollen da schlafen, er kommt morgen in der Früh wieder.
– Die Kombinationsfreude und Farbenpracht der thailändischen Küche. Zb Reis mit Kokusnusseis und gerösteten Erdnüssen.

Was war das schreckeinflössenste Erlebnis?
In den Lauf einer Pistole zu kucken.
Es geschah so.
In Almaty, die von uns als radunfreundlichste gekrönte Stadt, stehen wir in einer ruhigen Seitengasse auf der Fahrbahn. Wir sind zu Fuß unterwegs und studieren gerade den Plan, als ein Auto in die Gasse einbiegt und beginnt zu wenden. Die Gasse ist breit und neben uns ist viel Platz. Der Fahrer bildet sich ein genau dort wenden zu müssen wo wir stehen. Wir deuten ihm, dass neben uns genug Platz ist. Auf russisch flucht er uns einen Wortschwall entgegen, rauscht fast über unsere Zehenspitzen und bleibt neben uns stehen. Das Beifahrerfenster ist offen. Russische Worte. Ein schneller Griff ins Handschuhfach. Eine Pistole zeigt auf uns. Ahh, wenn das so ist.. wir sind schon überredet und weichen einen Schritt zurück. Das Auto rauscht ab. Ein kleiner Schreck bleibt zurück. So also werden Fußgänger hier zu Respekt erzogen.

Was war das anstrengendste?
Die ewig, sich wiederholenden Gespräche. Mindestens zehn mal täglich bekommst du die gleichen Fragen gestellt. Wohin? Woher? Nein, nicht Australien. Alter? Name? Verheiratet?
Das tägliche neu Orientieren. Wo finden wir Essen, Wasser, Schlafplatz? Immer auf der Suche, immer im Kalkulieren. Ständig neue Eindrücke verarbeiten.

Was war eure grösste Angst?
– Ammok zu laufen bei der nächsten Frage woher wir kommen. 😉
– Zu wenig Trinkwasser zu haben.
– Von einem der rasenden Lastler einen unfreiwilligen Schups verpasst zu bekommen.

Seid ihr wilden Tieren begegnet?
Elefanten, Affen, Riesenechsen, ein schwarzer Skorpion, kleinen Schlangen, grossen Spinnen. Die wildesten und lästigsten waren die kleinen Ameisen und Gelsen. Die schmerzhafteste Begegnung war mit einer Art Riesenwespe und hatte tagelange Gesichtsschwellungen zur Folge.

Wo habt ihr euch gewaschen?
In Flüssen, wenn einer da war, was leider nur in feuchten Bergen und auch dort nicht immer möglich ist. Also meistens aus der Flasche. Je nach Wasserangebot des Landes konnten wir verschwenderisch 1.5L Duschen geniessen oder sind mit 150ml in der Wüste ausgekommen. An ein paar Tagen gabs dürrebedingt gar keine Dusche.

Wie viele Kilometer seid ihr pro Tag gefahren?
Ganz unterschiedlich von 15km bis 110km war alles dabei. War stark von Motivation, Umgebung, Gesundheit, Höhenmeter und Strassenzustand abhängig. Alles in allem kommen wir durchschnittlich auf 70km pro Tag.

Tut der Hintern vom langem Radfahren weh? Habt ihr eine Hornhaut am Hintern bekommen?
Also der Hintern hat uns nicht weh getan und wir haben auch keine Hornhaut bekommen. Wir hatten jedoch in feucht heissen Regionen das Problem, dass durch das viele Schwitzen die Haut ständig nass war und sich am Sattel bzw. an der Hose aufgerieben hat. Hose wechseln, ohne Unterhose radln und/oder mit Fettcreme einschmieren verschaffen Abhilfe.

Wie war das Wetter?
Wir hatten Glück und einen überraschend sonnig warmen Frühling erwischt. In Griechenland und der Türkei haben uns teilweise sehr heftige und andauernde Regentage auf die Probe gestellt. Im Landesinneren der Türkei war es im Mai schon extrem warm. Georgien hat sich uns auch etwas von der feuchten Seite gezeigt. Danach kam die trockene, immer sonnige Wüste mit um die 45°C. Auch die Nächte waren extrem heiss. Das Wetter in Zentralasien war durchgehend sonnig. Im September im feuchten Regenwald um Chengdu in China haben uns erstmals wieder ein paar warme Regentropfen erwischt. Anfang Oktober haben wir Osttibet sehr sonnig mit höhenbedingten frostigen Nächten erlebt. Ein paar Regentage in Südchina, bevors ins sonnig heiße Südostasien ging. Erst in Malaysien (April) haben uns wieder Regenschauer begrüßt. Doch trotz Regenschauer bleibt es heiss. Auch die Nächte bringen erst in den frühen Morgenstunden ein klein bisschen erlösende Abkühlung.

Hattet ihr Probleme mit den Rädern?
Die Räder haben die Reise im Grossen und Ganzen gut überstanden. Dank der guten Reifen (Schwalbe Marathon) hatten wir gemeinsam nur 6 Patschen (Platten). Die Reifen begleiten uns nach 15.500km noch immer. Leider fällt die Performance unserer Felgen weniger gut aus. Wir haben in Summe 4 Felgenbrüche zu verzeichnen (3 Betti, 1 Claudi). Ebenso musste Bettis vordere Nabe 2 mal gewechselt werden.

Hattet ihr GPS? Wie habt ihr euch navigiert?
Wir hatten Strassenkarten mit uns, die wir teilweise unterwegs gekauft haben. Die chinesischen Strassenkarten waren dann halt auf chinesisch. Im Zweifelsfall und in den Städten haben wir uns durchgefragt oder unser GPS benutzt. Als GPS verwendeten wir unser Handy auf dem wir eine gratis offline Navi App installiert hatten, welche die Open Steet Map (OSM) benutzt. Hat gut funktioniert und war ausreichend.

Auf welchen Straßen seid ihr gefahren und wie waren sie?
Wir sind auf Forstwegen, Nebenstrassen und Hauptstrassen unterwegs gewesen. Leider gibt die Strassenbezeichnung nur wenig Aufschluss über die Strassenqualität. In manchen Länder waren sogar die Hauptstrassen aus Schotter, Stein und Sand. Eine gute unbefestigte Strasse fanden wir besser als eine schlechte asphaltierte Strasse. Strassen die durch Berge führten haben wir spektakulärer gefunden und je einsamer desto besser. Schnurgerade und ebene Strassen sind zwar langweilig, aber nach einigen Bergetappen eine willkommene Abwechslung und Erholung.

Wie war der Verkehr?
Wir haben überlebt. Nicht immer konnten wir kleine, ruhige Strassen nehmen – es gab keine, sie waren in zu schlechtem Zustand oder mit grossen Umwegen verbunden. Je nach Kultur wird auf Radfahrer aufgepasst und mit viel Abstand überholt oder erwartet, dass Radler auf ein schmerzhaft ohrenbetäubendes Hupen von der Fahrbahn hupfen.

War die Reise körperlich anstrengend?
Ja klar!! Nicht immer, aber immer wieder. Vor allem in Gebieten wo die Nahversorgung sehr schlecht war und wir tagelang weniger gegessen haben als wir Hunger hatten. Oder auch wenn wir leicht krank waren, Durchfall, Magendrücken hatten oder uns einfach nicht gesund fühlten. Für Betti sind die ersten Radreisetage die aller aller anstrengensten. Gedanken wie: „Ich bin zu alt für so etwas!“ oder „Jeden Tag radln wie soll ich das schaffen, wenn mir jetzt schon alles weh tut!“ tauchen auf. Aber spätestens ab dem 5ten Radtag ist alles wie vergessen und sie ist fit wie ein Turnschuh. Claudi leidet wiederum sehr an der Hitze.

Wieviel habt ihr auf eurer Reise ausgegeben?
Im Durchschnitt hat jeder von uns ca. 400€/Monat für Essen, Trinken, Unterkünfte, div. Radreparaturen (Naben, Felgen), Visas und Sonstiges ausgegeben. Die Visas allein haben in Summe ca. 400€/Person ausgemacht.

Wo habt ihr Übernachtet? Kann man überall einen Zeltplatz finden? 
Da wir gerne im freien schlafen, war das Zelt stets unsere erste Wahl. Ab und zu haben wir eine Einladung angenommen, ein paar wenige Warmshowers (Hosts für Radreisende) heimgesucht und in Großstädten meist in einem Zimmer genächtigt. Ebenso gönnten wir uns ein Zimmer, wenn einer krank war oder uns der Regen schon tagelang verfolgte und wir nichts mehr trockenes zum Anziehen hatten.
Natürlich ist eine Radreise auch ohne Zelt möglich wie zB in Südostasien. Dort gibt es auch in kleinen Dörfern bzw. an den Strassen Hotels. Sobald man sich jedoch in den Bergen befindet wie zB in Tadschikistan oder in Osttibet werden die Unterkunftsmöglichkeiten sehr sehr rar.
Welcher Zeltplatz gut ist, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. Wir haben versucht möglichst ungesehen, im Grünen und ausserhalb von besiedelten Gebieten zu campieren. Je einsamer desto besser. Wir haben uns so am sichersten gefühlt. Andere Radfahrer schlagen jedoch bevorzugt ihr Zelt in der Nähe oder in Polizeistationen, Restaurants, Wats, Moscheen, Monasteries oder Tankstellen auf.

Die schönsten Zeltplätze:
unter Bananenpalmen, direkt am Meer, in georgischen Margeritenwiesen, auf der einsamen Hochebene in Tadschikistan, bei Mondfinsternis in Osttibet … und viele viele mehr 🙂

Die skurrilsten Übernachtungen: vor der Schuhfabrik, im Picknickhäuschen direkt an der Schnellstrasse ohne Zelt, in einer halbleeren Wohnung, mit nächtlicher serbischer Schuttabladung neben dem Zelt. Faustgrosse Steingeschosse im Halbmondschein aus Kinderhänden. Nächtliche Gartenbewässerung die in einer Zeltflutung endete.

Was hat sich in euch verändert durch die Reise?
– Einige innere Grenzen haben sich verschoben.
– Nichts ist unmöglich.
– Vertrauen in jeder Kultur zurecht zu kommen und überall hinradeln zu können. Auch alleine. Nur Kriegsgebiete lassen wir mal aus.
– Nicht stören lassen von Beobachtern.
– Die Toleranz für grindige Zustände ist grösser bzw ehemals grindiges ist normal: Hygiene bei der Essenszubereitung, fliegenreiche heftigst stinkende gemeinschaftliche Wüstenplumpsklo-Löcher oder auch mal bei Wassermangel den Kochtopf mit Urin abwaschen.
– Wir wissen jetzt, dass wir auch mit wenig Essen und Schlaf leistungsfähig sind und mit Hunger schlafen können.

Wie ist es euch miteinander gegangen?
Super schön bis schrei und Krach. Die ganze Reise gabs was zum Lachen und genug Fantasie zum Blödeln. Fad wird uns nicht. Nur manchmal wird es schon sehr eng jeden Tag 24 Stunden zusammen zu picken. Vor allem wenn wir zu hungrig sind, kracht es dann schon mal schnell. 😉 Das Gute und das Schlechte zugleich auf so einer Reise ist, dass man sich nicht in Job, Freunde und Hobbies flüchten kann, sondern sich den Krisen stellen darf. Wir haben uns also nochmal ganz anders kennen gelernt und vertragen uns erstaunlicherweise noch immer. 😉

Was habt ihr am meisten vermisst? Auf was freut ihr euch am meisten?
Betti:
– Essensmässig habe ich immer wieder etwas vermisst, am meisten guten Käse und Brot.
– Meine elektrische Zahnbürste.
– Ich freue mich auf unsere Wohnung. Vor allem auf die Küche und auf wieder ein bisserl mehr Platz um mich ausbreiten zu können.
– Auf eine produktive Tätigkeit.

Claudi:
– Essen. Volkornbrot, Käse, Erdäpfel, echtes weisses ungesüsstes Joghurt. Selbst kochen in mehr als einem Topf.
– Sauber sein. Frisches, duftendes Gewand.
– Trinkwasser in Hülle und Fülle.
– Gespräche mit Freunden.

Was werdet ihr in Österreich vermissen?
Betti:
– Das Gefühl der Unabhängigkeit
– Alles was ich besitze, führe ich mit mir, ist immer mit dabei und passt in 4 Radtaschen
– Hühner, Schafe, Ziegen, Schweine, Hunde und Katzen, die auf den Strassen herumlaufen
– der all morgentliche Wegruf der Hähne
– in den Tag hineinleben
– jeder Tag ist eine Überraschung
– nicht zu wissen was für ein Wochentag ist
– der Natur ausgesetzt zu sein, sie 24 Stunden zu erleben

Claudi:
– Sterne und Grillenzirpen,
– Zeltnächte und unsere bepackten Eserln.
– Gemütlich herumsitzende Menschen.
– Nach dem Klogang mit Wasser ausspülen. An Klopapier will ich mich gar nicht mehr gewöhnen.

Was würdet ihr anders machen, wenn ihr jetzt losfahren würdet?
– Ohne Zeitbeschränkung losfahren, also die Wohnung aufgeben und keine Versprechungen machen, wann wir evtl. zurückkommen werden.
– Mit neuen Felgen losfahren und die alten zu Hause lassen.
– In Aserbaidschan registrieren 😉
– Einiges mehr an Musik und einen kleinen Labtop od. ein Tablet mitnehmen, damit das Blog schreiben und das Fotos hochladen einfacher geht.
– Weniger Zeit in Uzbekistan einplanen
– ein früheres Gültigkeitsdatum des Visums für Tadschikistan.
– Die saftig grünen europäischen Wiesen mehr geniessen.
– Zwischendurch mal eine Reisepause einlegen. Irgendwo länger (mind. 1Monat) bleiben und wwoofen oder arbeiten.

Wie geht es jetzt weiter?
Betti: Einen Job suchen bzw. mich finden lassen. Jeden Tag aufs neue beginnen und glücklich beenden. Mehr steht zunächst nicht am Plan.

Claudi: Würfeln und schauen welche Zahl fällt. 😉 Das Leben von Wien aus erforschen. Improvisieren. Tanzend. Spielend.

Was sind eure weiteren Reiseträume?
Betti: Mit dem Rad durch Afrika, Südamerika, Russland inkl. Mongolei, Osteuropa, Skandinavien und den Iran. Mit dem Rucksack ein paar Monate nach Indien und wandern in Nepal.

Claudi: durch Afrika touren, per Pferd durch Patagonien, mit dem Rad von Wien aus eine Runde gegen den Uhrzeigersinn durch Europa – Polen, Skandinavien, Frankreich. Als kleine Straßenkünstlergruppe mit der Welt experimentieren. Nicht ganz eine Reise und trotzdem ein Traum: einen Sommer auf ner Amlhütte Kühe oder Ziegen hüten.

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Ein letztes Mal ins Abenteuer

Zum Frühstück teilen wir uns die letzten sechs Toastbrotscheiben und Erdnussbutter. Dann machen wir uns auf den Weg ins Ungewisse. Der nächste Shop ist angeblich in 20km. Wenn wir Glück haben stimmt das und der Shop hat sogar offen. Ansonsten müssen wir durchhalten. 40km lang. Strampeln, schwitzen und von dem bisschen Erdnussbutter leben das noch übrig ist. 40 km. Bei diesen Steigungen. In dieser Hitze. Da bedeuten 40km einen ganzen Tag. Auch unser Wasservorrat neigt sich dem Ende zu. Was solls, wir haben jetzt nicht viel Wahlmöglichkeiten. Auf in die Sättel!!

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Die Berge sind noch in Nebel eingehüllt. Erst langsam durchbrechen Sonnenstrahlen die morgendliche Wolkenschicht. Danach sticht die Sonne uns dafür umso unerbitterlicher. Eine dicke klatschnasse Schweissschicht bedeckt unseren Körper. Durstige Fliegen waten durch den schweissigen Sumpf auf unseren Armen. Noch reicht unsere Energie um sie zu verscheuchen. Wenig beeindruckt von den hilflosen Fuchteleien wechseln die Fliegen zum Unterschenkel und wieder zurück auf die Arme. Aaaahh!!

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Während kurzen erholsamen Abfahrten zwischendurch trocknet der wohltuende Fahrtwind unsere Haut. Viel zu schnell stehen wir wieder im gnadenlosen Anstieg. Fliegen begleiten uns. Wie schön. Keine Luftbewegung. Kein noch so kleiner Hauch. Die Sonne brennt. Die Fahrbahn glüht. Bäume werfen Schatten. Aber nie auf die Fahrbahn. Neidische und gierige Blicke treffen die schattenverwöhnten Büsche.

Wir sind Glückspilze!! Da wartet wirklich ein Shop auf uns!! Kalte Zuckergetränke, frische Paradeiser und Toastbrot. Wir sind im Paradies! Die Fliegen auch. Jetzt sitzen wir endlich still.

Gestärkt und mit vollem Wasservorrat geht es weiter. Gegen die Hitze. Gegen die Schwerkraft. Alles wird zum Gegner. Nur die Musik ist mit uns. Melodien und Worte schieben uns Kurve um Kurve den Berg empor.

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Wolken türmen sich auf. Der Himmel wird dunkler. Große schwere Tropfen schlagen einzeln in Boden und Oberschenkel. Der spätnachmittägliche Regenschauer beginnt. Schnell werden die Tropfen mehr, durchtränken unsere T-Shirts und bringen die Straße zum Dampfen. Kein Schlupfloch in Sicht. Auch nach der nächsten Kurve nicht. Nichts zum Unterstellen. Rein gar nichts. Mittlerweile ist es eh egal. Wir tropfen von Kinn und Nase. Genussvoll stellen sich all die kleinen Härchen auf. Es ist kalt. Was für ein Gefühl!

Ziemlich nass und kalt erreichen wir den Pass. Eine Moschee empfängt uns. Mit Duschen! Wer hätte das gedacht?! Kaltes Wasser wäscht unsere kalte Haut. Spült den Regen, die Reste von Schweiss, Sonnencreme und Staub ab. Ein unglaubliches Erlebnis! Auch wenn es kalt ist.

Nach einer erholsamen kühlen Nacht am Berg, nutzen wir die praktischen Sanitäranlagen der Moschee ein letztes Mal. Unser stinkendes (ok, das ist eigentlich gewaltig untertrieben) Radgewand erhält eine Wäsche. Frisch duftend in nassen Hosen und Leiberln rollen wir den Cameron Highlands entgegen.

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Friedlich, in Gedanken versunken strampeln wir einen erneuten Anstieg hoch. Zack! Bum! Ein riesiges dunkles Killerinsekt stürzt sich auf Claudi hinab. Zielstrebig landet es auf ihrem unschuldigen Hals und haut seinen spitzen Stachel tief ins Fleisch. AU!! Panisch fuchtelt das Ofer des Attentats. Das Insekt ist längst verschwunden. Claudi wiegt sich in Sicherheit uns versorgt die Stichwunde mit kühlenden Ölen. Zack! Stich!! Das Killerinsekt schlägt erneut zu. Diesmal greift es die hilflose Schläfe an. AUUU!! Noch panischer als zuvor fuchteln Claudis Arme. Sonnenhut und Sonnenbrille landen am Boden. Und das Insekt. Angsterfüllt riskiert Claudi einen Blick. Eine Riesenwespe? Ihr Fuß ist schneller als die biologische Klarheit. Quetsch. Es war einmal eine angriffslustige.. was auch immer. Jetzt ist es drei geteilt. Zwei Stiche reichen. Über Nacht schwillt das linke Auge vollständig zu. Morgendliches einäugiges Radeln bis zum erlösenden Frühstück mit Eiswürfelpackung aufs Auge folgt. Langsam, sehr langsam schwillt das Auge, die Wange und der Hals wieder ab. Am Nachmittag ist bereits zweiäugiges Radeln drin. Am Abend sieht das Gesicht wieder halbwegs menschlich aus.

Mittlerweile sind wir mittendrin in der berühmten Touristenattraktion Cameron Highlands. Diese besteht vor allem aus Glashäusern, die die Berghänge überziehen. Aus hässlichen Dörfern mit Souvenierläden und überdachten Lavendelfarmen. Aus teuren Erdbeerländern, Orchideenhallen und Teeplantagen. Ok, die Teeplantagen sind ja irgendwie auch beeindruckend und auf ihre Weise schön. Der Rest ist uns ein Rätsel.

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Erst die Abfahrt auf die Westseite Malaysiens raubt uns den Atem. Diesmal nicht wegen der Anstrengung. Es geht ja bergab. 😉 Wilder Jungel umringt uns. Unterschiedlichste Palmen wachsen der Sonne entgegen. Dazwischen ragen von Efeu und Farnen bewachsene Laubbäume in den Himmel. Farnblätter, die breiter sind als unsere Armspanne, strecken sich aus der Böschung in die Freiheit. Vogelstimmen ertönen. Affenschreie mischen sich dazu. Ein Bach plätschert unter dem Dickicht. Je tiefer wir rollen, desto wärmer und feuchter wird die Luft. Kühle Bergluft ade. Die Schwüle umarmt uns wieder. All diese Details bleiben den busfahrenden Cameron-Highland-Touristen verborgen. Hier heißt es schnell durchrauschen. Wir verstehen es nicht.

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Wir geben unser Bestes und versuchen die Schönheit der Abfahrt mit vielen vielen Fotopausen in die Länge zu ziehen. Irgendwann ist aber auch die atemberaubende Abfahrt zu Ende. Das Gebirge spuckt uns in die Ebene. Wir plagen uns durch die zähe, viel zu heisse Luft. Der Puls kämpft, auch wenn es eben ist. Eine letzte Zeltnacht wartet auf uns. Fliegen – welch Überraschung – leisten uns Gesellschaft beim letzten wilden Abendpicknick. Zur Feier des Tages gibt es Mango und Banane mit Joghurt und Haferflocken. Eine letzte Dusche aus der Flasche. Und anschließend vom Himmel. Es donnert und blitzt und blitzt und donnert. Und regnet. Ins Zelt hinein. Wenigstens wird es ein bisschen kühler. Schweißtropfen und Regentropfen streiten sich darum, wer uns nässer bekommt. Die Schweißtropfen werden wohl trotz allem gewinnen.

Am Morgen überrascht uns ein zugeschwollenes Auge in Claudis Gesicht. Das Killerinsektengift tobt sich noch immer aus und malt kreativ schiefe Gesichtszüge. Ab zum Doktor. Das Frühstück besteht aus 9 Pillen. Dazu gibts Reis, Tofu und Gemüse. Und natürlich – der zuckersüsse Tee darf nicht fehlen!

Auf die letzte Zeltnacht folgt eine allerletzte Nacht im Picknickhäuschen einer Moschee. Tja, malaysische Züge transportieren keine Räder. Wir wollten den lärmenden, stinkenden Verkehr umgehen, der in Großstädte strömt. Wie schon in Bangkok sind wir gescheitert und radeln bis ins Zentrum. Zu unserer Freude wird der Verkehr erst 30km vor Kuala Lumpur nervenraubend. Unsere letzte Erfahrung mit Stadtverkehr liegt bereits zweieinhalb Monate zurück. Bangkok. Wir haben nichts vermisst. Laut trönen die Motoren. LKWs, Kleinlastler, Busse und Autos schieben sich die Straßen entlang. Stressige letzte Kilometer schlängeln wir uns durch Staus an den Ampeln. Angenehmerweise hupen sie hier nicht sonderlich viel.

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Kuala Lumpur ist ziemlich laut. Oder sind wir so viel menschliche Geräusche nicht mehr gewohnt? Abends beim Inder schreien die Küchengeräte unsere Ohren taub. Die Straße lärmt im Hintergrund. Gäste kommen und gehen. Auch hier essen die Menschen sehr schnell. Sitzen bleibt keiner. Die Atmosphäre ist ja auch nicht gerade einladend. Nur der Hunger hält uns für eine zweite Portion an unserem Tisch. Roti und Curry versöhnen uns. Kichererbsen zerplatzen langsam an unserem Gaumen. Für einen klitzekleinen Moment ist die Welt ganz still.

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Alles was brechen kann, bricht weiter… und zu Ende.

Die leidige Fortsetzung von ‚Alles was brechen kann, bricht…‘

… Bettis Schnalle einer Packtasche bricht in Uzbekistan. Die Schnalle hält glücklicherweise trotzdem gerade noch zusammen.

… Claudis Hinterfelge bricht in Tajikistan. Die lange Geschichte kennt ihr schon. 1000 traurige Autokilometer.

… Claudis verstellbarer Vorbau knackst und wird locker. In Tajikistan. Vielleicht ist ein verstellbarer Vorbau nicht optimal für teilweise unasphaltierte, stark steinige Strassen? Wir vermuten, die Erschütterungen nutzen die Verzahnung ab.

… Bettis Tasche wird mit Benzin geflutet. In Kirgistan. Die Plastikflasche mit dem Ersatzbenzin für unseren Kocher hat ein Loch bekommen. Das Klebeband ist gut durchtränkt – pickt interessanterweise nach dem Trocknen wieder. Die Schuhe waren anscheinend nicht weniger durstig als das Klebeband und haben das Benzin brav aufgesogen.

… Claudis Sandalen lösen sich auf. In Kirgistan. Das Leder vom Fussbett verschwindet stellenweise.

… Bettis Bremsgriff wird verbogen. In jener unruhigen kirgisischen Halbmondnacht mit den drei lästigen Kindern. Der junge Reiter lenkt sein Pferd gegen unser Zelt und das Pferd läuft stattdessen über unsere Räder.

… Bettis Tretlager knackst seit Aktau in Kazachstan. In Chengdu in China bekommt das Pferdchen schliesslich ein neues Gelenk.

… Claudis Matte hat ein chinesisches Loch. In unserer ersten Nacht auf 4500m macht Claudi mal wieder drei Dinge zur gleichen Zeit: Handschuh nähen, Schuhe im Zelt verstauen und Essen vorbereiten. Da ist die Taschenmesserschere eifersüchtig und macht einen Köpfler – in Claudis Matte. Pfffffft, die Luft geht aus. SCHEISSE!!! Drei Flicken später geht noch immer Luft aus, aber zumindest langsam. Seit dieser Nacht heisst es, je nach Kälte des Bodens, ein bis drei Mal pro Nacht Luft nachpumpen..
Ein Monat später – bereits in Laos – dichtet der rettende Kleber von Julius und Micha die Matte wieder ab! Juhu! Kurze Zeit später – in Thailand – beginnt die verflixte Matte eine Blase zu bilden. Seit dem gilt: nur noch leicht aufblasen und hoffen.. zumindest ist der Boden jetzt warm!

… Bettis Schuhbänder sind mittlerweile mehrmals gerissen. Jetzt geht kein flicken und knüpfen mehr. Unsere dünne Repschnur-Wäscheleine muss her!

… Bettis Sandale schimmelt. Die hinterhältige südchinesische Feuchte ist durch ein Loch in die Radtasche hineingekrochen und hat sich an den gut verstauten Sandalen erfreut. War zum Glück nur wenig Schimmel und gut abwischbar.

… Claudis Schuhe schimmeln thailändisch. Wieder einmal zu viel Feuchte in zu lange verschlossener Tasche. Einmal mehr Schimmel-Abwisch-Aktion.

… Bettis Vorderfelge bricht. Wieso auch nicht? Hatten wir ja schon lange nicht mehr! Zum Glück kurz vor Bangkok, also alles halb so schlimm und schnell ersätzt.

… Bettis Hinterfelge bricht. Naja, Abwechslung muss sein, nicht?! Vor den malaysischen Bergen finden wir einen Radmechaniker mit Ersatzmaterial. Ein Glück – alles geht Ruck Zuck!

… Unser Zelt ist undicht. Tropf, tropf auf Fuß und Kopf. Malaysien ist zu feucht für unser betagtes Heim.

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wenn Regentropfen auf Köpfe klopfen

Wir haben es schon geahnt. Jetzt sind wir uns sicher: unser Zelt ist nicht mehr dicht. Nächtliche Regenschauer tropfen diese nasse Botschaft auf unsere träumenden Köpfe und Füsse. An den Nähten und sonstigen kleinen Löchleins rinnt ein Tropfen nach dem anderen erkundungsfreudig ins Zeltinnere. Nach ein paar verschlafenen Blicken im Stirnlampenschein rollen wir uns in unserer Tropfzelthöhle gemütlich zwischen den Wasserfällen zusammen. Im Rhythmus der Tropfen flüchten wir uns tief in die Traumwelten zurück. Die morgendliche Sonne kommt bestimmt!

Verlässlich trocknet die Sonne Zelt, Matten und alles was sonst noch nass geworden ist während wir wieder einmal Paradeissalat mit Toastbrot frühstücken. Ein paar Salzkörner konnten wir aus den Ecken unseres spendablen Salzstreuers gerade noch zusammenkratzen. Essig und Öl haben wir schon lange nicht mehr dabei. Dafür umso mehr Zwiebel und Knoblauch. Mmmh!!!

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Endlich ist unserem Plastikflaschenverschleiss ein Ende gesetzt! In Malaysien gibt es Trinkwasser-Nachfüllautomaten. Ja, wir haben noch immer unsere Wasserpumpe. Nur, das gepumpte Wasser aus der Leitung schmeckt nicht nach trinken wollen.

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Schnee gibt’s hier zwar nicht, aber waschen kann man ihn lassen:

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Wir fiebern dem Ende unserer Reise entgegen. Claudi leider wortwörtlich. In den sowieso schon viel zu heissen Zeltnächten leidet Betti nun zusätzlich an der fiebernden Glühlampe neben ihr. Wir quartieren uns ein. Zu Ameisen und Gelsen in ein Stundenhotel. Dort liegen wir und schwitzen weiter. Es hat tagein, tagaus, nachtein und sogar nachtaus viel zu viele Grade! Wo ist der frisch gewaschene Schnee?!!

Nach einem Erholungstag sieht die Welt wieder etwas weniger halskratzig und krank aus. Wir rollen gemütlich von Pause zu Pause. Von zuckersüßem Tee zu zuckersüßem Tee mit Reis und Soße zu zuckersüßem Tee. Für Claudi heiß, für Betti mit Eiswürfeln.

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Am Rad spielen wir ‚Stadt Land Fluss‘. Oder besser: die radtaugliche Version davon. Wir gehen das Alphabet durch und rufen uns abwechselnd Länder und Städte zu. Wieviele Orte sind von der Reise hängen geblieben? Die Ausbeute ist karg. Die Gewohnheit siegt Meilenweit. Wir landen meist im altbewährten Europa.

Am Abend kriechen wir in unsere Leichenhalle. In der einen Ecke liegt eine tote Fliege, in der anderen eine zerquetschte Ameise. An der Seitenwand kleben Blutspuren vom täglichen Kampf mit den Gelsen. Der gerade hereingehüpfte lebensmüde Heuschreck lässt sich von einer rettenden Hand fangen und in weitem Bogen nach Draussen befördern. Wir mögen unser Zelt sehr. Aber müssen es alle Lebewesen ringsum auch so mögen? Und – noch schlimmer – gleich mit einziehen wollen?? Na gut, die Elefanten haben uns mit ihrem Besuch noch verschont..

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Wir sind ganz nah am Nationalpark. Im angrenzenden Jungel. Elefantenherden ziehen irgendwo neben uns durchs dichte Gebüsch. Zu Gesicht bekommen wir nur ihre grossen Hinterlassenschaften am Strassenrand. Wir staunen mal wieder, dass Elefanten in so dichtem Unterholz leben. Die Trampelpfade zeigen wie..

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Plötzlich hat der hübsche wilde Jungelwald ein apruptes Ende. Wir tauchen in ein Meer aus Ölpalmen. Links schwappt die stetige Welle aus roter Erde Palme um Palme zur Plantage zusammen. Rechts türmt sich eine noch höhere Welle aus Palmen empor. Vor uns liegt der grüne Ozean aus Palmblättern. Die ganze Aufregung und Freude des Jungellebens ertrinkt darin.

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Perhentians Blütenmeere

Überraschung, Überraschung! Wie klein ist die Welt? Astrid, die Schwester von einem guten Freund, steht plötzlich vor uns. Vor drei Jahren ist sie mit dem Rad in Wien gestartet und verdient jetzt ihr Geld als Tauchlehrerin. Zum weiter radeln. Was sonst? 😉

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Wir tauchen auf den Perhentian Islands in klares blaues Wasser, verschwinden in den atemberaubenden Unterwasserwelten, werden von bunten Fischschwärmen integriert, begegnen wilden Haien und begleiten Wasserschildkröten beim Luft schnappen.

Hunderte kleine Fische, schwarz-weiss gestreift, blau schillernd, knallgelb und schwarz gepunktet, lila-schwarz, orange leuchtend, regenbogenbunt, dünn und länglich, hoch und kurz, mit langen Schwanzflossenschweifen, orangenen ‚Mascherln‘ und gefährlich langen Mäulern. Rund um uns herum tanzen die buntesten Blumen im Wind des Meeres. Ein Blütenmeer hat uns gefangen genommen. Das Staunen geht weiter. Sonnenstrahlen treffen auf Korallenberge. Lila Fächer schmücken blass orangene Türme, schwarze Federn wehen da, leuchtend blaue und orangene Haarbüschel locken dort. Orangene Nemos spielen in grünen Halmen. Eine ganze Fischwand steht plötzlich vor uns, alle gleich in der Strömung ausgerichtet. In den Sonnenstrahlen schimmern sie kaum sichtbar blau-orange. Wir hören Fische grasen und treffen einen besonders lustigen – für jeden Bissen dreht er sich auf den Rücken, um dann gleich wieder ’normal‘ weiter zu schwimmen.

Ziemlich durchgeweicht stranden wir zwischen Kokusnusspalmen und Muschelschalen wieder in der Oberwasserwelt.

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Eisgeschmäcker sind verschieden

In der Früh jagt uns plötzliche Hitze aus dem Zelt. Die Sonnenstrahlen heizen das Zelt in Rekordtempo auf. Schon bevor wir uns in die Sättel schwingen, rinnt uns der Schweiss Arme, Beine und Gesicht hinunter. Mit guter Absicht schmieren wir uns Sonnencreme auf Schultern, Arme und Gesicht. Gleich darauf rinnt und tropft eine schmierige, cremig weisse Flüssigkeit von Nase, Oberlippe und Ellenbogen. Tja, die Mühe war wohl mal wieder fehl investiert.

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Schon am Vormittag häufen und türmen sich Wölkchen und Wolken. Noch bleibt es trocken. Doch eine Wolke hängt viel tiefer als alle anderen. Komisch. Sie kriecht förmlich die Strasse entlang. Verspielt kräuseln sich Wolkenschwaden aus dem riesigen brennenden und dampfenden Müllhaufen. Der Gestank legt sich über die Strasse und begleitet uns fast einen Kilometer lang.

Kleiner mobiler Supermarkt und Liferant:

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Der Verkehr nimmt zu, je näher wir der Ostküste kommen. Kleine LKWs mit umso lauter knatterndem Motor schiessen an uns vorbei. Manch einer hält nicht viel vom Mindestabstand. So weichen wir immer wieder mit einem erschrockenen Schwenker auf den Schotter neben der Fahrbahn aus.

Während einer unserer zahlreichen Pausen an einem der noch zahlreicheren Essensstandln am Strassenrand haben wir mit drei Schülerinnen Bekanntschaft geschlossen:

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Als Yogurt wird ein dünnflüssiges Getränk aus Wasser, Zucker und Milchpulver verkauft. Die Farbe ist entsprechend unansprechend. Langweilig blass weiss. Das malaysische Eis dafür schreit mit allen Farben. Schwarzes Gelee, gelbes Gelee mit Kukuruzkörnern, braune geröstete Erdnüsse, knallgrüne süsse Nudeln, weisses Gelee. Ein Wassereisblock wird frisch gerieben (wie Parmesan, nur in einer dafür vorgesehenen Maschiene). Die weisse Eisspäne kommt auf die bunte Basis. Darauf kommt dann noch leuchtend roter picksüsser Saft. Weil noch immer ein bisschen Zucker fehlt, wird das Ganze mit gesüsster Milch übergossen. Ein Augenschmaus! Ein Gaumenschmaus? Auf jeden Fall ein anständiger Energielieferant!

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Into the Wild

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Malaysien begrüsst uns mit Serpentinen über Jungelberge. Die grossflächigen Kautschuk- und Palmenplantagen sind plötzlich verschwunden. Stattdessen wuchert und zirpt es grün und laut links und rechts neben der Strasse. Affen springen von Baum zu Baum. Vögel schreien, kreischen, kichern und keckern. Wir schwitzen uns höher und finden einen luftigen, endlich mal wieder kühlen Zeltplatz mit genialer Aussicht. Oje, eine kleine Enttäuschung: auch in Malaysien gibt es surrende und pieksende Gelsen und Ameisen. Und Mopedfahrer, die sich auf schönen Aussichtsplätzchen auch noch nach Einbruch der Dunkelheit treffen. Zumindest sind Malaysier nicht so neugierig wie Türken und lassen uns schlafen. 😉

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So ungewohnt alles einfach lesen zu können! Schon lange nicht mehr war alles in Lateinschrift angeschrieben. Das Verständnis der gelesenen Worte fehlt trotzdem.

Der Muezzin singt wieder! Frauen in Kopftüchern lachen uns vom Strassenrand zu. Erinnerungen an die Türkei werden geweckt. Gleich am zweiten Tag erhalten wir zwei Einladungen ins Eigenheim. Im Gegensatz zur Türkei laden uns hier die Frauen ein. In der Türkei haben wir kaum mit Frauen Gespräche geführt. Dort waren es fast ausschliesslich Männer, die mit uns plaudern wollten und uns eingeladen haben. In Malaysien sind die Frauen viel sichtbarer.

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Berge, Berge, Berge. Links und rechts. Dahinter und daneben. Darunter und darüber. Dicke weisse Wolkenberge schweben über dunkelgrünen dampfenden Waldbergen. Ein Regenschauer wäscht uns den Schweiss vom Gesicht. Der nächste Regenschauer malt uns den Gatsch von der Strasse auf die Wangen. Beim übernächsten Regenschauer kauen wir frittierte Reisnudeln mit ein paar wenigen grünen Blättern. Unser Mittagessen. Dank der viel zu kleinen Portion verschlingen wir anschliessend noch unsere, am Strassenrand erstandenen, kleinen Leckerbissen. Ein Reisbällchen mit Kokusraspeln, ein Stückchen Bananenkuchen, ein frittiertes Teigtascherl mit Erdäpfelcurryfülle. Dazu gibt es das typische Getränk: Tee mit einer Art gesüsster Konservenmilch (sowas gibts bei uns gar nicht) und Eiswürfel. Die Eiswürfel dürfen nirgends fehlen.

Halbwegs zufrieden schwingen wir uns in die Sättel und flitzen durch Nieseltropfen. So feucht war es seit China nicht mehr und davor das letzte Mal in der Türkei. Die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz ist schwierig. Wiesen stehen unter Wasser. Feldwege sind gatschig. Der Gatsch hat die fürchterliche Eigenschaft Räder allzubald zu blockieren und das Gewicht des Rades zu verdoppeln. Wir fragen, ob wir neben einem Haus campen dürfen. Klar, kein Problem. Das Leben ist so einfach! Wir versichern noch, dass wir alles haben – Wasser zum waschen und genügend zum Essen. Kurze Zeit später werden wir trotzdem zum Abendessen eingeladen. Wir werden malaysisch verwöhnt. Echt lecker! Und sogar geniessbar Scharf!

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