Schafe, Hasen oder doch Kühe?

Nach Vientiane kreuzen wir den Mekong und finden uns plötzlich auf der linken Fahrspur wieder. Oha! Wir haben nicht nur Flussufer und Land gewechselt, sondern auch Strassenseite! Der thailändische Linksverkehr begleitet uns durch endlich einmal richtig flache schnelle Kilometer. Nach den ersten zehn Kilometern vermissen wir die Berge schon.. Eine gerade Strasse mit viel Verkehr führt uns durch unspektakuläre Landschaften. Felder, fast wie bei uns, wenn dazwischen nicht Palmen Schatten werfen, Wasserbüffel im Sumpf grasen und uns Schlappohrhasen-Kühe nachblicken würden. Was für eine niedliche Kreuzung!

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‚Wohin?‘ ist die erste Frage, die Thailänder uns stellen. Oft auch die einzige, einfach im Vorbeifahren zugeworfen. Woher interessiert sie weniger, ganz im Gegensatz zu den russischen Völkern, die immer nur ‚askuda?!!‘ (woher) gefragt haben. ‚Bangkok.‘ Sie schauen uns fragend an. ‚Bangkok, we are going to Bangkok.‘ Noch immer verwirrte Blicke. Unsere Kreativität ist gefragt: Wie kann man Bangkok noch aussprechen? Wir toben uns aus: BANGkok, BangKOK, Bängkok, Baangkok, Bangkook. Ah, eines der Gesichter lichtet sich und spricht ‚Bangkoooook‘. Phu, wir werden verstanden!! ‚Kaa, Bangkoooook! Sagen wir doch die ganze Zeit!‘ Um so länger wir Bangkoooooook ziehen, umso besser werden wir verstanden. Und umso mehr haben wir zu lachen.

Wenn die Thailänder uns dann endlich verstehen, verfallen sie in ein um Luft ringendes ‚hoh hooo ohhh‘. Dabei schüttelt jedes ‚ho‘ den ganzen Körper und wir fangen uns besorgt an zu fragen, ob wir unser Gegenüber gleich beatmen müssen. Sadistisch wie wir sind, legen wir manchmal noch nach, dass wir bis Singapur radeln. Sogleich bricht ein neuer Schwall mit noch lauteren Oh’s und Hoh’s über uns herein. Wenn wir einen ganz sadistischen Tag haben, erwähnen wir noch, dass wir mit dem Rad von Österreich kommen.. das thailändische Staunen bestaunen wir einfach zu gerne. 🙂

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Thailänder gehen mit kompletter Gewandgarnitur baden. Dann setzen sie sich aufs Moped und düsen davon. Ganz nass. Es ist heiss hier, aber so heiss dann auch nicht.. immerhin ist auch hier Winter! Das heisst die Nächte sind angenehm kühl. Sonst ist es superheiss sonnig. Wir chillen an einem See. Statt im wilden Nationalpark ‚Thap Lan‘ nach Elefanten, Tigern und Pythons zu suchen.

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Die Strasse durch den Park gibt es nur noch auf unserem Plan. Nach langer Suche und viel thailändischem Kopfschütteln haben wir uns schlussendlich doch mit dem Stausee zufrieden gegeben. Herrlich zum rumlungern!

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Nach einem chilligen Tag am See steht fest: So leicht lassen wir uns nicht unterkriegen! Auf gehts zum berühmten Nationalpark ‚Khao Yai‘ ein Stückchen weiter westwärts. Wir staunen und schmunzeln belustigt die Landstrasse im Norden des Nationalparks entlang. Kitsch, Kitsch und noch mehr Kitsch! Ein Blumengarten mit tausend Liebeseckchen reiht sich an traumhafte Hotelanlagen, den vielumworbenen schwimmenden Markt, einen englischen Garten, ein toscanisches Dörfchen und noch mehr Verrücktheiten. Die Bangkokianer verbringen ihre Wochenenden in dieser Welt. Viele hochpolierte Autos, dröhnende Ferrarinachahmungen und eine Menge viel zu lauter Motorräder flitzen an uns vorbei.

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Frühmorgens locken uns die ersten Sonnenstrahlen aus unserer taunassen Zelthöhle. Wir erklimmen die ersten steilen Kurven, die uns in den dichten immergrünen Wald führen. Kleine Äffchen balanzieren auf der Leitplanke, hocken am Strassenrand, kratzen sich wild und suchen Flöhe im Fell des Kollegen. Grössere Affen schwingen sich elegant von Ast zu Ast. Über uns hören wir die kräftigen Flügelschläge eines ‚hornbill‘ (wir wissen den Namen auf Deutsch nicht, der hat so ein grosses Horn am Schnabel).

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Riesige alte Bäume ragen zwischen vielen noch jüngeren, kleineren empor. Lianen schwingen sich von Baum zu Baum. Schlingpflanzen räkeln sich an Baumstämmen der Sonne entgegen. Ein Baum ist die Leiter zum Sonnenglück für viele andere, weniger stämmige Pflanzen. Die morschen Stämme gestürzter Bäume erwachen zu neuem Leben. Orchideen wachsen im feuchten Schatten.

Im Inneren eines mächtigen Baumes, den Blick zum Himmel gerichtet:

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Wir lassen unsere Räder am Parkplatz und marschieren zu Fuss durch das Jungeldickicht. ‚Knaks, knaks, knaks‘, keine 10m von uns entfernt knaksen die dünnen Äste in Bodennähe. ‚Knaks, knaks, knaks‘, noch mehr Äste brechen. Dann herrscht Stille. Ein Schnauben. Wir sehen noch immer nichts, so dicht ist das Gestrüpp. Ein Rüssel erhebt sich, schlingt sich um einen Ast und ‚ratsch‘ ist er mitsamt dem Ast im Dickicht verschwunden. Kurz darauf knakst es wieder. Der Elefant macht ein paar Schritte. Leise und sanft setzt er seine Füsse auf. Gemächlich bewegt er sich fort, lässt alles Gestrüpp unter ihm zerbrechen. Ein breiter Trampelpfad bleibt zurück. Und ab und zu ein paar Duftbrocken..

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Da ist er!!!

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..und da war er!!

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Nach einer Nacht im Nationalpark und einem langen frühmorgendlichen Spaziergang durch das feuchte schattige Paradies der Schlingpflanzen und Lianen, radeln wir weiter. Auf unserem Weg nach draussen erwartet uns noch eine Überraschung. Eine etwa sechsköpfige Elefantenherde will die Strasse kreuzen. Die Autos reihen sich abwartend und in sicherem Abstand in eine Schlange. Eine Elefantenmama und ihr Kleines stehen mitten auf der Strasse und sind sich nicht sicher wohin sie wollen. Wir wollen die grauen Riesen genauer bewundern und rollen mutig vor. Die beiden grauen Gesichter blicken uns entgegen. Plötzlich wirft die Elefantenmama ihren Rüssel in die Luft und uns ein warnendes Tröten entgegen. Sie gallopiert auf uns zu. Huch, nichts wie hinter die Autos!! Unsere rassante Flucht dürfte sie wieder beruhigt haben. Sie bleibt stehen und verschwindet dann gemütlichen Weges mit ihrem Kleinen ins Dickicht.

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Auch ausserhalb des Nationalparks leben Elefanten. Nicht nur Schilder weisen uns darauf hin, sondern auch die entsprechend grossen Elefantenbemmerln am Strassenrand. Wir wissen nicht, ob wir uns mehr wünschen einem Elefanten zu begegnen oder lieber doch nicht..

Die Hunde haben wir nach langem Training nun super im Griff. Deshalb brauchen wir wohl neue Herausforderungen. Diese wurde uns sogleich geschickt: Affen. Wahrscheinlich werden die kleinen Äffchen von allzu tierlieben Autofahrern gefüttert und hocken deshalb wartend am Strassenrand. Freudig rollen wir näher und ernten nichtsahnend ein zähnefletschendes Fauchen. Zwei der Äffchen setzen zur Verfolgung an. Oh Schreck!! So ein süsses Äffchen kann plötzlich ziemlich gefährlich aussehen! Gut trainiert von den vielen Hunden brüllen wir ihnen ein angriffslustiges und siegessicheres ‚HEY‘ entgegen. Phu, haben wir Glück! Die Äffchen lassen sich einschüchtern.

IMG_4347  …es ist nicht mehr weit!

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