Osttibetische Herbststimmung

Einige Kilometer nach Litang zeigt sich die Landschaft von ihrer schönsten Seite. Herbststimmung wie aus dem Bilderbuch. Es leuchtet orange, gelb und rot von den Berghängen rings um uns.

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Nach einer Talfahrt strampeln wir wieder einen Pass (4696m) hoch. Starker Gegenwind macht uns zu schaffen. Die sonst sehr angenehme Steigung wird zur Qual. Die kalte Luft sticht in der Lunge. Etwas früher als sonst bauen wir das Zelt auf, kochen uns das am Markt erstandene Gemüse mit Polenta  (noch aus Kirgistan) und hoffen auf einen Windstillen morgigen Tag. Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt. Wieder Gegenwind. Hinter dem Pass erwartet uns eine Mondlandschaft. Erinnerungen an das Hochland von Island werden wach gerufen.

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Nach einer uns endlos erscheinenden Hochlandfahrt die ersehnte Talfahrt. Die Umgebung ist traumhaft schön…leider haben wir zu wenig Zeit um sie zu geniessen. Nur noch ein paar wenige Tage und unser Visum läuft ab. Wir hatten gehofft es in Litang verlängern zu können. Nun hoffen wir auf Shangrila.

Die Strasse nach Kangding-Litang-Xiancheng-Shangrila ist sehr kurvig und führt immer wieder in hohe Höhen. Dieser Umstand bringt mit sich, dass ich noch nie so viele Leute am Strassenrand kotzen gesehen habe. Kaum bleibt ein Bus stehen springen 2-3 Leute raus, stecken sich den Finger in den Hals und übergeben sich lautstark und ungeniert an Ort und Stelle. Hinsichtlich Körpersäfte hat man hier in China einen viel offeneren Umgang als bei uns. Was raus muss, muss raus. Kleinkinder kacken auf den Gehsteig, es wird gerotzt, immer und überall, und anscheinend auch gekotzt. Auch die Speibsackerln am Strassenrand sich zahlreicher als sonst wo und die Sauerstoffflaschen mit Sicherheit nicht weniger als am Mount Everest.

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Am nächsten Tag….wie soll es auch anders sein…wieder ein Pass zu bewältigen. Diesmal unser höchster Punkt auf unserer Reise 4740m. Danach der Bremsentest. Es geht 66km zum Grossteil Bergab in die Stadt Xiancheng die auf 2850m liegt. Unser tiefster Punkt seit 10 Tagen. Die enge Strasse schmiegt sich elegant an den Fels. Der anstehende Fels sowie der Strassenbelag sehen aus als wären hier Felsstürze an der Tagesordnung.

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In Xiancheng haben wir sogar ein paar Touristen gesichtet. Wir nutzen die Stadt um unseren Essensvorrat wieder aufzustocken und unseren Hunger zu stillen.

Tibetische Haeuser vor und nach Xiancheng:

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Gestärkt und mit vollen Taschen geht es am nächsten Tag…wie soll es auch anders sein…wieder hinauf auf einen Pass (4300m). Es ist kaum Verkehr und das ist auch gut so, denn ca. 30km nach Xiancheng erwartet uns eine ca. 80km lange Piste der Sonderklasse. Also ein Mountainbiketrail bedeckt mit Sand und Staub. Nach dieser Mörderetappe sind wir glücklich wieder Asphalt unter dem Hintern zu haben.

Das Glück bleibt uns nicht sehr lange beschert. Vor Shangrila eine 47km never ending Strassenbaustelle. Also wieder Piste gepaart mit viel Staub, Sand und Gatsch. Regelmässig werden wir von den vorbei zischenden Gelände- und diversen Transportautos mit Staub und Sand bedeckt. Auf der Sonnengecremten Haut hält der Staub besonders gut und schon nach einigen Minuten gleichen wir dem Strassenbelag. Den Autofahrern ist es leider nicht bewusst, dass sie uns einstauben und wir keine Luft zum atmen haben. Selbst wenn das Auto 10m nach uns stehen bleiben muss, werden wir mit vollem Karacho überholt. Die Chinesen fotographieren gerne und wir sind ein beliebtes Fotomotiv. Und so kommt es vor, dass sie mit dem Auto neben oder knapp vor uns fahren, von uns Fotos machen, den Daumen raus- und hochstrecken wie toll wir nicht sind und dann mit Höchstbeschleunigung davon rasen. Währenddessen werden wir die ganze Zeit über von ihnen in eine Staub und Sandwolke gehüllt. Mit jedem Auto steigt unser Aggressionspotenzial und sinkt unsere Toleranzschwelle. Wer behauptet Reisen steigert die Toleranz der lügt. Das Zeichen des Mittelfingers und des Spuckens auf die Autoscheibe kennen sie leider nicht. Auch wühste Beschimpfungen bleiben unverstanden und als solches unerkannt. Wir verschaffen uns Luft, im warsten Sinne des Wortes, indem wir uns in den Weg stellen uns sie ausbremsen.

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Entlang der 47km langen Baustelle sieht man eine Palette unterschiedlichster Bauverfahren. Dubiose  Hangsicherungsmassnahmen werden durchgeführt. Zwei Männer, oberhalb eines Hanges an einem Baum angeseilt, krappeln am steilen Hang herum und Böschen den Hang händisch ab. Felseinschlüsse werden mit Meisel und Hammer zertrümmert. Die Stützmauern werden häufig aus Steinen gemacht. In mühsamer Kleinarbeit wird händisch Stein für Stein passend  zugeschlagen und aufeinander geschlichtet. Für die Strassenentwässerung wird seitlich der Strasse eine Rinne betoniert. Die Schalungselemente werden mit Ästen frisch aus dem Wald zusammen gehalten bzw. gestützt. Anstelle von Bewehrung werden in die Schalung zugehauene Steine hineingelegt.

An einer Stelle wurden Bohrpfähle mit einem mir noch unbekannten Seilbagger errichtet. Jedesmal wenn der Baggerfahrer das Gewicht abseilte wurde er halb vom Gerät katapultiert.

Der Beton für das Entwässerungsystem und für die diversen Stützmassnahmen wird vor Ort meist von Frauenhänden in kleinen Horizontalmischern gemischt und mit Schiebetruhen an die Einbaustelle befördert. In China ist Bauen nicht nur Männersache. An jeder Baustelle sind auch etliche Frauen tätig. Frauen arbeiten an der Betonschneidemaschine, mischen Beton, bereiten die Schalung vor, betonieren, errichten die Strassenleitplanke aus Stahl etc.

Die Arbeiter sind in Zelten untergebracht. Abends sinken die Temperaturen unter 0°C. Erwärmen kann man sich beim abendlichen Feuer. Die Notdurft wird im Freien verrichtet und wer ein erhöhtes Sauberkeitsbedürfniss hat, der geht zum Fluss und wäscht sich. Selbst in einer Höhe von 4500m dient den Arbeitern lediglich ein Zelt als Schlafstätte. Den Tunnelarbeitern wird ein wenig mehr an Luxus gegönnt…sie sind in Container ähnlichen Behausungen untergebracht.

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Impressionen aus Shangri La:

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