Höhenrausch im Himalaya

Wir riskieren einen Blick nach vorne: lauter Serpentinen, sie führen auf einen dieser super hohen Berge des Himalayas. Ein Pass von 4412m liegt vor uns. Irgendwo am Ende dieser unzähligen Serpentinen. Gestern sind wir schon stundenlang bergauf geradelt. Heute auch. Schaffen wir das überhaupt heute? Bis ganz ganz rauf? Sooo viele Serpentinen! Sooo hoch noch! Sooo weit! Keuch!! Ich kann nicht mehr.. Schnell zurückschauen! Wie sieht es in der anderen Richtung aus? Serpentinen zwischen Bergen. Wow, sooo viele!! So weit sind wir schon! Es geht also! 🙂 Langsam. Immer weiter. Wie im Ruderboot immer nur auf das blicken, was schon hinter uns liegt. Und dann plötzlich sind wir oben! Auf 4412m! Jippijippiejeyjey! JEY!!! Tausende bunte tibetische Gebetsfahnen winken uns zu.

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In den letzten Sonnenstrahlen ziehen wir schnell trockene Sachen an und alles was wir haben oben drüber. 4 Hosen, 2 Leiberln, drüber Pulli, Daunenjacke und Regenjacke. Wir schleppen doch nix zu viel mit! Trotzdem ist die Abfahrt bitterkalt. Unsere Hände sind unbeweglich steifgekühlt. Die dicken Handschuhe haben wir nämlich nach Hause geschickt. Dünne Handschuhe und dicke Socken – mit der Ferse als Daumen – müssen ausreichen. Auch Plastiksackerln unterziehen wir einem Windschutz-Test. Alles besser als nichts, aber mehr auch nicht.

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Wir rauschen an den ersten tibetischen Steinhäusern mit ihren bunt verzierten Fenstern und Türen und ihren bunten Fahnen vorbei.

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Die Nacht bricht an. Auf 3800m endlich ein geeigneter Zeltplatz! Von der Abfahrt noch immer frierend schlagen wir flott unser Häuschen auf und wärmen uns mit Tee. In der Früh zeigt der Thermometer des Tachometers im Zelt -1°C. Unser Wasser im Zelt ist gefroren. Unser Zelt ist aussen UND innen mit Eis überzogen. Uff, Morgensport: Eis abkratzen. Zum Glück ist die Sonne bald kräftig und trocknet den Rest während wir unsere Haferflocken vernaschen. Und dann endlich nichts wie los! Der nächste Berg ruft uns schon ungeduldig von der anderen Seite des Tales zu. So geht es jeden Tag viele hundert Höhenmeter rauf und ins nächste Tal hinab, nur um auf der anderen Seite des Tales wieder viele viele hundert Höhenmeter hoch zu strampeln.

Egal wieviele Berge wir schon bezwungen haben, ein Berg ist ein Berg und bleibt ein Berg. Anstrengend. Schön. Jedesmal aufs neue ein Kampf. Jedes Mal aufs neue ein breiter Grinser, wenn der Blick auf die umliegenden Gipfel fällt. Jedes Mal aufs neue ein unglaublich berauschendes Gefühl endlich oben zu sein. Unser Weg führt uns über weitere Pässe von 4659m und 4718m. Ausser leichtem Kopfweh und heftigem Keuchen vertragen wir die Höhe gut. Bis auf ein paar unasphaltierte, extrem staubige Stücke ist die Strasse ein Traum – angenehm flache Anstiege (kein Vergleich mit der Schwarzmeerküste;-) Das Staubige wäre auch gar nicht so schlimm, wenn uns nicht immer genau dann ca. 200 Militär-LKWs entgegen kommen würden. Pfui, wie die stinken! Und stauben! Die Luft ist eh schon dünn hier oben und dann auch noch solche Abgaswolken. Bäääh!!

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In unserer Nacht auf 4500m bewundern wir verwundert eine partielle Mondfinsterniss. Was für eine feine Überraschung! 🙂

Die Baumgrenze liegt über 4000m! Teilweise gedeihen sogar auf 4300m noch immer Nadelbäume und Büsche! Yaks grasen auf den Hochalmen. Tibeter verkaufen Yakspeck und getrocknetes Yakjoghurt. Unsere Traumradlerjause! Und auch auf 4500m leben Menschen in ihren Steinhäusern.

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Wahnsinnig geile Wolken beobachten wir beim wachsen, in die Höhe schiessen und ausregnen. Ein paar Schneeflankerln und Graupelkörndaln erwischen uns, die Meisten aber beobachten wir vergnügt aus der Ferne.

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Impressionen aus und vor Litang:

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2 Antworten zu Höhenrausch im Himalaya

  1. Anonymous schreibt:

    Also ich muss sagen Mädls, die vergangenen Nachrichten von eurer spontanten Übernachtungseinladung, von Tanz-Abenden mit neuen internationalen Freunden haben mich sehr angesprochen! Aber das jetzt – oh mein Gott!! Ich bin ja sooo froh, dass ich nicht mit euch mitradln muss!!!!!!! Da würd ich schon nach 50m an meine Grenze stoßen. Hut ab vor eurer Leistung! Ich schick euch eine motivierende warme Umarmung! Bei uns ist es zwar auch schon nebelig und kalt, Weihnachten nähert sich in schnellen Schritten. Aber ich mag das. Bussis, Julia (Culk)

  2. Birgit schreibt:

    Es war ein genuss diesen blog zu lesen.. es motiviert für neue taten.. danke!!! Liebe grüsse aus dem herbstlich kühlen wien.

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