Das Land der Pandas

Chengdu ist riesig. Wir queren die ganze Stadt. Die Häuser wollen kein Ende nehmen. Sogar nach der Stadtgrenze steht weiterhin ein Haus neben dem anderen. Nur, Chengdu ist hübscher als die hässlichen Häuserkollonnen ausserhalb. Ziemlich zache Zeit. Wo sind die chinesischen Felder? Wo ist der dichte grüne Jungel? Selten erhaschen wir einen Blick hinter die einreihige Häuserkulisse, die den Strassenrand säumt. Gleich hinter den Häusern verstecken sich unsere Erwartungen: kleine grüne Felder, dichtes grünes Gestrüpp, Bambuswäldchen und viel Dunst. Weit können wir gar nicht sehen. Die tiefen Wolken schlucken unsere Blicke. Die trübe feuchtwarme Stimmung treibt uns den Schweiss aus den Poren. Oder saugen unsere Leiberln die Feuchte aus der Luft? Wir sind uns nicht sicher, ob die frisch gewaschene Wäsche am Rad trocknet oder feuchter wird und träumen von der trockenen Wüstenhitze. Jaja, so schnell ändern sich Wünsche.. 😉 Der feuchten Luft muss man lassen, angenehm zum atmen ist sie!

Hungrig halten wir Ausschau nach einem passenden kleinen Restaurant mit vielen chinesischen Gästen – ein vielversprechendes Zeichen für gute Speisen zu vernünftigen Preisen. Am anderen Strassenrand erblicken wir ein gut gefülltes ‚Restaurant‘. Eigentlich mehr einen Griller plus grossen Tisch und ein paar gut gedeckte Tische mit einem Haufen Chinesen drumrum. Zielstrebig bleiben wir stehen und werden auch schon zu Tisch gewunken. Restaurant ist es keines. Wir haben uns unwissend zu einer Feier eingeladen. Uuups.. Fröhlich fordern sie uns auf von den zahlreichen Speisen zu essen. 25 gut gefüllte Teller stehen künstlerisch übereinander und untereinander in der Mitte eines runden Tisches. Sieben bis acht Leute sitzen um den Tisch und schnappen sich mit ihren Stäbchen die Leckerbissen: ein ganzer Fisch, ein kleines ganzes Huhn (war wirklich noch alles dran) schwimmend in einer Suppe, panierte kleine Fischchen, gegrillte Händlhaxen, Ente, Fisolen, Karottensalat, Erdäpfeln, undefinierbare schlatzige Suppe, Geschnetzeltes vom Schwein mit Gemüse, süsser Reis mit gekochter Banane. Und noch viel mehr.

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Am besten Unterhalten haben sich die Chinesen über unsere grossen Schuhe. Lautes Gelächter hat der Vergleich von Bettis 44ern mit den zarten Füsschen einer der Damen geerntet. Zum Abschied gabs dann noch ein grosses Fotoshooting.

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Campingmöglichkeiten sind hier ferne Träume. Wenn es etwas häuserfreies gibt, dann ist es entweder Ackerfläche oder dicht bewachsen. Chinesen sind auch hier Meister im Nutzen jedes cm. Sogar auf den 20cm zwischen Strasse und steilem Abhang wächst Salat.

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So können wir die Feuchte gar nicht im Zelt testen. Naja, sicher trockener Schlaf ist auch fein. Und die Dusche davor erst! 🙂

Baustellen schmücken die Flussufer. Massenweise Verkehr rollt in angenehmem Tempo und mit genug Abstand an uns vorbei. Ganz und gar nicht angenehm ist das ständige ohrenbetäubende Gehupe der Autos und das noch viiiel lautere Getröte der Busse und LKWs. Beim Überholen und in Kurven wird grundsätzlich gehupt. Aus Angst vorm Gegenverkehr. Der Angst muss Chinese sich stellen, fahren auf Sicht gibt es nicht. Dazu haben wir doch Ohren! Wer zuerst hupt, darf überholen und der Gegenverkehr weicht brav aus. Muss ein Baulastler aus einer unübersichtlichen Ausfahrt auf die Strasse biegen, HAUT der Fahrer ein, zwei Mal fest auf die Hupe und rollt gemütlich aus der Ausfahrt hinaus. AAUU!! Unsere Ohren schreien..

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Gegen Abend des zweiten Tages wollen wir ein paar extra Höhenmeter machen und schlängeln uns flussaufwärts zum Panda Zoo und Forschungsstation in der Nähe von Ya-an. Endlich! Mitten im Jungel!! Grün, grün, grün und noch mehr grün! Dicht bewachsene Felswände, kleine Wasserfälle, noch feuchtere Luft. Es tropft und rinnt aus jeder Felsspalte. Wasser im Überfluss. Es grünt wo es nur geht, bis hinauf zur – nein, nicht zur Baumgrenze – zum tiefen Wolkenanfang. Die ausdauernden Insektenorchester spielen Tag und Nacht. Regenwaldstimmung. 🙂

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Wir gönnen uns zwei Nächte in einem Quartier um gemütlich Zeit bei den Pandas zu verbringen und am Abend einfach zu chillen.

Vorfreudig überzeugen wir den Ticketkontrolleur, dass wir die 3km Strasse vom Eingang bis zum Pandazoo radeln, anstatt mit dem Touribus mitzufahren. Um dort festzustellen, dass es einen genialen Fussweg durch die Schlucht gibt. Mit jeder Menge Stufen. Wollen wir uns das entgehen lassen? Natürlich nicht! Also überzeugen wir den Ticketkontrolleur am Eingang zum Treppenweg durch die Schlucht, dass wir stark sind und die Räder 2-3h tragen können. Wir dachten, wir wären sowieso schneller. Den faulen Chinesen, die sich sogar die 300m vom Eingang des Pandazoos bis zum Käfig mit einem Shuttle transportieren lassen und dafür noch anstehen, haben wir keinen ausgiebigen Fussmarsch über steile Stiegen zugetraut. Wir geniessen die Wasserfälle und die Sättel, die sich in unsere Schultern bohren. Blaue Flecken und ein ordentlicher Waddelmuskelkater sind die Folge. Erst bei Dämmerung erreichen wir den Ausgang. Gemütlich? Chillen? Ein Erholungstag? Föllig erschöpft strecken wir uns auf dem Bett aus und schwelgen in Erinnerungen an die putzigen Pandababys und die gemütlich Bambus schmausenden ausgewachsenen schwarz-weissen Bären. Lautstark bewundern Chinesen ihr Nationaltier. Die Pandas scheinen die um ihre Aufmerksamkeit schreienden Kinder gewöhnt zu sein und sind Meister im Ignorieren.

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Mit steifen Wadeln gehts am nächsten Tag zurück auf unsere Route nach Ost-Tibet: Kangding, Litang und Shangri La.

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2 Antworten zu Das Land der Pandas

  1. Sil schreibt:

    …allerdings von den Pandas und der Gegend….die schlatzige Suppe und ganzen Henderln kannst da sparen 😉

  2. Sil schreibt:

    ich freu mich schon auf die Fotos!!!! 🙂

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