beeindruckende Mondlandschaft

Völlig entspannt nach einer ausgiebigen Mittagspause im Thermalbad in Jelondy schwingen wir uns wieder in die Sättel. Weiter gehts den gemütlichen Anstieg hinauf. Wir geniessen die gute Strasse und den wenigen Verkehr. Endlich können wir wieder nebeneinander radeln, tratschen und blödeln. Auch die Landschaft geniesst sich viel einfacher als polternd über Steine und Löcher. Plötzlich pusten uns heftige Windböen entgegen. Dabei sollten wir den ganzen Weg bis Murgab Mitwind haben! Frechheit! So war das nicht ausgemacht!! Verfrüht das Zelt aufschlagen und auf morgen hoffen? Im der nächsten Kurve lacht uns schon ein Zelt entgegen. Martina aus Deutschland hat sich ein hübsches Platzerl neben dem Fluss gesucht. Na dann nichts wie daneben!! 🙂

Zelt aufgeschlagen, Benzinkocher angeworfen – der übrigens endlich nicht mehr russt seitdem wir die Düse gewechselt haben. Wow, was für ein Vergnügen kochen sein kann! 🙂 Schon stürmt eine Schafsherde geradewegs auf uns zu.

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IMG_0016Den Hirten fragen wir, ob wir ihm Ziegenmilch und Brot abkaufen können. Prompt werden wir in sein Häuschen eingeladen. Aus kalten Steinen sind die Wände, aus Ästen und Erdsäcken das löchrige Dach. Beleuchtung gibt es für die 10m^2 keine. In einer Ecke des dunklen kleinen Innenraums wärmt das Feuer uns und einen riesen Topf mit Milch. Wir dürfen auf ihrem ‚Bett‘ platznehmen. Das Bett ist ein mit Stroh und Matratzen bedeckter erhöhter Boden aus Steinen. Uns wird selbstgebackenes sehr leckeres Brot mit Ziegenbutter und heisser Ziegenmilch serviert. Wir bekommen auch noch Wegproviant für morgen zugesteckt. Geld wollen sie absolut keines nehmen und wir nicht gehen ohne eines dortzulassen. Also verstecken wir es unter dem Zucker und hoffen, dass es im windigen Dunkel nicht davonsegelt.

Der Hirte, seine Frau und zwei seiner Kinder leben hier oben auf ca. 3700m zwei Monate im Sommer. Im Herbst gibt es einen grossen Almabtrieb und die Familie zieht wieder zurück in die Stadt Khorog. Die restlichen Kinder leben in diesen zwei Monaten in einem nahen Dorf. Über ein Handy kommunizieren sie miteinander und können Lebensmittel nachbestellen. Zum Wiederaufladen des Handys muss es ins Dorf mitgegeben werden.

Der Hirte und seine Frau haben Angst, dass uns im Zelt kalt ist und laden uns ein bei ihnen zu schlafen. Wir erklären wieder mal, dass wir unser Zelt sehr mögen. Aber dann sollen wir morgen Früh zum Frühstück kommen!

Gemütlich geht es am nächsten Morgen die letzten Höhenmeter die schlechte, aber noch immer fahrbare, Strasse den Kaytezek Pass hinauf. Juhu, schnauf, wir sind auf 4272m! Durch die eindrucksvolle, trockene Hochebene auf etwa 4000m schiebt uns wieder der ausgemachte Mitwind. Freu.

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Einen Tag radeln wir gemeinsam mit Martina, dann biegt sie in ein Nebental ab. Kurze Zeit später treffen wir zwei Deutsche, die uns entgegenkommen und zelten gemeinsam mit ihnen. So viele Radler hier! Schön!

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So von den Socken reissen, wie andere über die Landschaft des Pamir schwärmen, tut die Landschaft uns nicht. Beeindruckt sind wir. Richtig schön finden wir was anderes. Grüne Alpen zb.. 😉

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In Murgab schaut der Riss in Claudis Felge richtig gefährlich aus. Viele Kilometer kann die Felge nicht mehr halten. Zwischen Murgab und Osh in Kirgisistan gibt es recht wenig Verkehr. Trucks fahren keine und die shared Taxis sind alle voll. Wenn die Felge auf der Strecke ganz bricht, was sie höchstwahrscheinlich wird, schaut es schlecht aus mit hitchhiken. Für einen Fussmarsch ist die trockene, karge Landschaft auch nicht unbedingt gemacht. Somit bleibt uns nicht viel anderes übrig als ein shared Taxi gleich von Murgab zu nehmen. Einfacherweise treffen wir einen französischen Fotografen, der auch nach Osh will und russisch spricht. Er organisiert ein Taxi für den nächsten Morgen.

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Das Schönste an der Fahrgemeinschaft – der Fotograf will zu einem tollen Aussichtspunkt am Kara Kul See. Dort wären wir mit Fahrrad nie hingekommen. Wir sind einfach querfeldein durch den Sand geprettert. Sogar eines von den berühmten Hörnern der berühmten Marko Polo Schafe haben wir gefunden.

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IMG_1952An der tajikischen Grenze verschwindet der Fahrer alleine mit dem Grenzbeamten. Wir wurden zurück zum Wagen gewunken. Er muss Schmiergeld zahlen, weil er Gepäck am Dach hat. Bei der Einreise nach Kirgisistan folgt das gleiche Spielchen. Wahrscheinlich weil das Auto vier Reifen hat.

In Kirgisistan wird unser Auto zwei mal zur ‚Kontrolle‘ an den Strassenrand gewunken. Der Fahrer steigt mit eingeschüchtertem Gesichtsausdruck aus und geht demütig zum Polizisten hinüber. Der Polizist nimmt die Papiere unseres Fahrers entgegen, verschwindet damit im Polizeiauto und winkt unseren Fahrer auf den Beifahrersitz. Kurz danach springt unser Fahrer wieder hinaus, durchstöbert hektisch seine Sachen und läuft mit Geldscheinen zurück zum Polizisten. Der russisch sprechende Fotograf steigt aus und versucht gegen die abermalige Korruption einzuschreiten. Unserem Fahrer ist dies extrem unangenehm. Er bremst und beschwichtigt den Fotografen, schreitet schnell zum Polizisten und drückt diesem mit einem kräftigen freundlichen Händeschlag die Geldscheine in die Hand. Eine Geste wie unter besten Freunden. Der Polizist lässt die Scheine in seiner Hosentasche verschwinden. Wir brausen davon. Der Fahrer erklärt, wenn er jetzt, am Hinweg, nicht zahlt, muss er am Rückweg noch viel mehr zahlen. Davor hat er Angst. Mit der Polizei darf ma sichs nicht verscherzen. Alle spielen mit. In unserem Fahrpreis war die Korruption sicherlich inkludiert, also finanzieren wir sogar dieses verdammte System mit.

Sofort nach der Grenze löst prächtiges grünes Gras die ewig trockenen braunen Halme ab. Oh wow! Unsere Seelen blühen. Wir lassen die tajikische Bergkette mit den sie zierenden Gletschern hinter uns und stürmen die grosszügig grün bewaldete kirgisische Bergkette! Juhuuu!! Soooo unglaublich schön!!! Pferde grasen auf saftig grünen Bergwiesen. Weisse Jurten schmücken die Landschaft..

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3 Antworten zu beeindruckende Mondlandschaft

  1. Nicolas schreibt:

    Toller Bericht! Habt ihr eine neue felge gekriegt in bishkek?
    Gruss Nicolas (fahrradfahrer aus CH)

  2. Hannah Rieger schreibt:

    …schön wieder von euch zu lesen, ich war in den letzten tagen schon in sorge, ob es euch gut geht, denn vorher wohl von der grossen anzahl eurer beiträge verwöhnt…bin in grenzenloser bewunderung ob eurer konsequenz, land für land in asien mit dem rad zu erfahren. eine gute weitere reise! herzlich hannah

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