Auf in den hohen Pamir!!

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Tajikistan, das kleinste der zentralasiatiachen Länder, ist zu 93% mit Bergen mit einer durchschnittlichen Höhe von 3.000m bedeckt. Von der Hauptstadt Dushanbe auf etwa 800m nehmen wir die Nordroute über Obigarm und den 3252m hohen Khaburabot Pass nach Khorog. Feuerball, Claudis braves Pferdchen, erzählt..

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Na wird ja auch Zeit, dass wir mal ans Wort kommen!! ‚Ihaaaa ihaaaa‘ wiehert die Widderin, Bettis braves Pferdchen dazwischen, ‚ wir rakern uns die vielen vielen tausenden Kilometer ab und erzählen dürfen wir nie. Nur hackeln. Wir arme drahtige Eserln..!‘ Aber jetzt ist Schluss mit unserer Schweigsamkeit! Jetzt wirds Zeit für die Wahrheit!! So weit sind wir schon gerollt für unsere Fraucherln, aber anstatt Lob und Streicheleinheiten jagen sie uns auf hohe Berge. Bodenlose Frechheit!! Der Boden ist dort nämlich wirklich lose.

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Über Steine und Sand haben wir uns auf 3252m hochgekämpft. Wunderschön grüne Serpentine um Serpentine. Und wen wunderts? Ich armes kleines erschöpftes Feuerbällchen stolpere. Oder wahrscheinlich war es sogar ein Ermüdungsbruch ohne stolpern. Auf jeden Fall lahme ich jetzt. Meine Hinterfelge hat ne Beule. Au!! Und was machen unsere Frauchen? Blöd schauen tun sie!! Streicheln meine wehe Stelle, zerlegen mein Hinterteil und bestaunen meine eingerissenen Eingeweide. Dann fluchen sie. Na super! Davon wirds auch nicht besser!! Ja und dann? Dann packen sie die ganzen schweren Kilo Gepäck einfach wieder auf mich drauf und weiter gehts. So als wär nix passiert. Ich humpel mühsam den ganzen langen Pass hinauf, auf der anderen Seite wieder runter. Noch immer stolpernd über grosse und kleine Steine. Der helle Drahteselwahnsinn!! Dann gibts endlich mal früher Pause an einem wunderschönen türkisen Bacherl.

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Die Widderin und ich dürfen in weichstem Gras schlafen. 🙂 So früh Pause machen wir aber nicht wegen meinem wehen Hinterbein. Nein. So früh Pause machen wir weil meine Reiterin kränkelt. Jaja, dann auf einmal! Das Beste kommt aber noch! Nach zwei weiteren humpelnden Tagen durch das trockene braune Flusstal hängts Frauerl grad noch irgendwie auf meinem Rücken. Wenn ich buckeln tät, dann liegt sie im reissenden Grensfluss zwischen Tajikistan und Afghanistan. Haha, das sind so unsere Drahteselträume! Also, sie hält sich grad noch irgendwie und wir kämpfen uns langsam Kilometer um Kilometer flussaufwärts. Bis sie nimmer mehr kann. Ein Kleinbus wird angehalten und ich hineingepfercht und gebogen. Ja, so ist das, ich muss weiterhumpeln, aber wenns Frauerl lahmt wird gleich ein Auto genommen! So sieht unser geduldiges Drahteserlleben in Wirklichkeit aus!

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gemeinsame Zeltplatzsuche mit Sebastian

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Wir sind also im Auto – ich und mein Fraucherl. Widderin unds andere Fraucherl streunen weiter stolpernd den braunen Fluss entlang durch die braunen Berge. Das Auto hüpft mit uns über Steine und in Schlaglöcher. Immer nach einem besonders heftigen Aufprall springen die Köpfe von Fahrer und Beifahrer zu den Fenstern hinaus und überprüfen mit einem schnellen Blick, ob noch alle vier Reifen dran sind. Schon geht es weiter mit vollem Karacho! Schwungvoll werden die Kurven geschnitten, künstlerisch den Löchern ausgewichen. Mich rüttelts und schüttelts. Ich zittere vor Angst meine Schrauben zu verlieren. Aber da hilft nur Ausharren…und verstauben. Von Zeit zu Zeit weht eine Brise Sand und Staub zu uns herein. Deshalb sind wohl die Sitze mit zerrissenem Plastik überzogen.

Wir biegen ab von der Hauptroute am braunen Grenzfluss in ein Tal mit einem anderen braunen Fluss und halten an einer kleinen Tankstelle. Der Tankwart bringt einen grossen Kanister mit Benzin. Der Fahrer hält den Trichter in die Tanköffnung und schwuppdiwupp können wir wieder vollgas weiterprettern! Irgendwann spätnachts kommen wir in Khorog an. Wir dürfen im Haus des Fahrers schlafen. Dh, ich ganz allein und einsam ohne Widderin im Garten, s Frauerl drinnen. Die Mama des Fahrers springt aus ihrem Schlaf auf und macht dem kranken Frauerl heisse Milch mit Honig. Ja, so richtig lieb sind sie hier! Nur nicht zu mir…*schluchz*

So, jetzt ists aber genug mit Worten von mir. Ich tröste mich mit schlafenden Grasbüscherln. Den Buchstabensalat überlass ich ‚m Fraucherl!

In der Früh werd ich (krankes Fraucherl) noch auf Frühstück eingeladen. Weissbrot mit Butter und Kirschenmarmelade. Dazu Schwarztee und heisse Milch. Zumindest war das meine Interpretation vom gedeckten Küchentisch. Die Hausmama muntert mich mit Gesten dazu auf Butter in die Milch zu rühren. Dann wird das Brot drin eingetunkt. Die Kirschenmarmelade gehört in den Schwarztee gegen Verkühlung. Ok, warum nicht? Ich geb einen Löffel hinein und rühre vorsichtig um. Sie nimmt mir den Löffel aus der Hand und haut grosszügige weitere sieben Löffel hinein. Wau! Krass! Marmelade mit ein bisschen Tee. Warme Marmelade sozusagen. Haha, schmeckt aber ganz ok. Sehr süss halt. Überraschung, Überraschung. 😉

Nach dem Frühstück will ich zum Guesthouse aufbrechen, wo ich mit Betti ausgemacht habe zu warten. Davor muss ich noch Überzeugungsarbeit leisten, damit ich gehen darf und mich die liebe Familie nicht behält. Unglaublich, die Mama wollte mich gesund pflegen! Sooo lieb! (Aber halt auch anstrengend Gast zu sein, weshalb ich unbedingt ins Guesthouse wollte.) Ich bin nicht die einzige, die es gesundheitlich erwischt hat. Viele Radler haben Magen-Darm-Probleme. Das Essen und Wasser ist mit Vorsicht zu geniessen. Wir gesunden alle gemeinsam und haben Spass dabei 🙂

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IMG_3120    IMG_3143Betti radelt inzwischen das stetig braune tajikisch-afghanische Grenztal entlang. Berge, Fluss, Strasse, Kühe, Tee – alles, sogar die staubige Luft ist braun. Oder sind wir auf dem Mond gelandet? Oho, das Brot ist weiss!!! Die tajikische Strasse ist zerschlagen von Steinen. Ab und zu gibt es doch noch ein kleines Stückchen Asphalt. Der Weg auf der afghanischen Seite ist nur aus Erde. Plötzlich endet der erdige, wagenbreite Weg in einem Trampelpfad. Der afghanische Grenzweg führt quer durch Felswände. In den Alpen würden dort wohl Klettersteigseile hängen. Ein einsamer Afghane geht dort drüben seinen weiten Weg. Ohne Rucksack, ohne Wasser. Wahrscheinlich in Sandalen. Er ist so nah und doch unerreichbar. Die primitiven Ansiedlungen sind kilometerweit voneinander entfernt. Unbewohnbar aussehende Häuser mit fensterlosen Öffnungen.

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IMG_3102   IMG_3110 IMG_3113   IMG_3115Nach einer guten Erholungspause von ein paar Tagen packen wir wieder unsere Sachen. Weiter gehts gemütlich durch die immer dünner werdende Luft des Pamirhighway von Khorog Richtung Murgab.

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Wir fragen in einem kleinen Dorf, ob wir unten am Fluss campen dürfen. Klar, aber davor müssen wir Chai trinken und frische saftige Marillen verschmausen. Sooo gut!!! Die Kerne werden hier übrigens zerschlagen und die Mandel drin mitverspeist. Gibts auch geröstet zu kaufen. Macht sich sehr lecker in Haferflocken 😉

Während wir dann unser Zelt in perfektem saftig weichem Gras aufstellen, wird jeder Handgriff genauestens beobachtet. Neugierig schaut unser Gastgeber in unseren Wohnraum. Ob wir nicht doch in seinem Haus schlafen wollen?? Wir zeigen mal wieder unsere Matten und Schlafsäcke her. Mit skeptischem Kopfwiegen macht sich der liebe Herr davon.

Kurze Zeit später kommt ein älterer Dorfbewohner den steilen Trampelpfad von seinem Haus hinunter. Auch er lugt neugierig in unser Zelt. Dann verschwindet er wieder und kommt wenig später mit einer vollen Kanne richtig guten Schwarztee wieder. Unglaublich lieb!

Während wir Zähne putzen, kommt eine Mutter mit Sohn. Schüchtern strecken sie uns ein Brot entgegen und laufen schnell wieder davon.

Wir sind gerade dabei uns im Zelt zu verkriechen, da kommen drei eine Mädels mit Papa. Sich gegenseitig schubsend arbeiten die drei Mädels sich bis zu unserem Zelt vor. Sie werfen zuerst noch vorsichtige, dann immer direktere Blicke zu uns herein. Unser freundliches ‚hello‘ wird mit kichern und einem ‚what’s your name?‘ beantwortet. Nach kurzem abermaligem Schubsen und verlegenen Kichern trauen sich die drei: ‚Foto?‘ Ja, klar! 🙂 Wir werden mit unserem Zelt geknipst und dürfen selbst auch zurückknipsen.

IMG_3166Es wird dunkel und wir machen es uns in unseren Schlafsäcken gemütlich, da hören wir wieder jemanden herankommen. Wir zippen unsere Luke im Vorzelt grösser auf und sehen – Matratzen. Dahinter versteckt sich ein junger Erwachsener. Wir lachen verblüfft und zeigen ihm, dass wir bereits gut eingepackt liegen. Dankend wünschen wir eine gute Nacht..

Schritte mit Frauenstimmen nähern sich. Ok, nochmal aufsetzen und rausschauen. Unsere Marillen-Gastgeberinnen strecken uns einen Teller mit warmem Buchweizen, verziert mit duftendem Schnittlauch, entgegen. Dazu ein Stück Weissbrot. Ein richtig leckerer und gesunder Festschmaus nach dem Zähneputzen! Es kommt, wie es kommt..

Fasziniert von diesen Menschen kichern wir uns glücklich in den Schlaf.

Am nächsten Morgen begrüsst uns der alte Herr wieder mit einer herrlichen Kanne Schwarztee. Die Marillen-Gastgeberinnen begleiten uns zurück auf die Strasse. Ihre Einladung zum Chai müssen wir ihnen ausschlagen, sonst bleiben wir in dem lieben Dorf wohl ewig..

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