rattata rattata

macht der Zug. Wir sparen uns die Wüstenkilometer und flitzen von Beyneu in Kazachstan nach Urgentsch in Uzbekistan. Die Schwitzerei sparen wir uns damit allerdings nicht. Eine immer dicker werdende Schweissschicht überzieht unsere Leiber, lässt Leiberln und Leiber verschmelzen. Von Zeit zu Zeit zieht ein vorsichtiges Lüftchen durchs gekippte Zugfenster. Warm, sehr warm, aber immerhin eine Luftbewegung.

Mit einem halben Huhn und einem grossen Wasserkanister ausgestattet warten wir auf unseren Zug. Die Sonne wandert tiefer, das Leben am Bahnsteig wird lebendiger. Tische und Bananenschachteln voll mit Getränken, gekochten Eier, Brot, Obst, Chips, Erdnüssen und Zigaretten werden zu Fuss hergeschoben und gezogen. Bald reiht sich ein Minisupermarkt an den nächsten.

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Jeder Stand bietet das gleiche an. Konkurrenz spüren wir keine. Ob die von dem bisschen Verkauf wirklich leben können? Gelassen warten die Verkäufer und Verkäuferinnen auf den nächsten Zug. Dann weicht die ruhige entspannte Stimmung einem lebendigen Gewurrel. Ein paar Verkäuferinnen springen in den Zug und bringen die Waren direkt an den Sitzplatz.

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Früher als erwartet steht unser Zug plötzlich da. Aufgeregt schnappen wir unsere Räder und suchen unseren Wagon. Uniformierte Grenzbeamte begleiten uns. Sie klopfen an die Wagentüre unseres Wagons. Ein halbmotivierter Wagonbetreuer öffnet und wechselt mit den Grenzbeamten ein paar Worte. Uns wird mitgeteilt, dass die Räder hier keinen Platz haben. Wohin sonst wissen sie nicht. Die Grenzbeamten telefonieren und diskutieren. Einer von ihnen springt in den Zug und schaut wo unsere Räder Platz haben könnten. Warum die Grenzbeamten uns helfen und dem Zugpersonal egal ist, ob wir die Räder unterbringen oder nicht bleibt uns ein Rätsel. Wartend versuchen wir dem Wagonbetreuer nochmal klarzumachen, dass uns die Dame am Ticketschalter gesagt hat, wir können die Räder mitnehmen. Kein Erfolg. Der Wagonbetreuer will nicht mit uns reden. Dann winkt uns der Grenzbeamte aus dem übernächsten Wagon. Sein Kollege begleitet uns. Dort schaut uns ein auch nicht gerade erfreuter Wagonbetreuer skeptisch entgegen. Wir sollen die Räder in den Türbereich stellen. Der Wagonbetreuer schüttelt ungläubig den Kopf und zeigt uns, dass die Türe zum anderen Wagon aufgehen muss. Wir schlichten herum und bekommen schliesslich doch noch ein ok. Unsere vielen Radtaschen sollen wir im Abteil daneben verstauen. Und wir sollen auch hier bleiben. Aha. Ok. Wir zeigen dem Wagonbetreuer nochmal unser Ticket für den Schlafwagon Nummer 3. Er meint wir müssen auf unsere Räder aufpassen und sollen hierbleiben. Na dann machen wir es uns gemütlich in unserem Luxusabteil! Nichtsahnend wie viele Diskussionen wir deshalb noch mit diversem Zugpersonal führen werden.

Geduldige und neugierige Uzbeken besuchen uns. Sie tun sich die Mühe an mit uns Russisch zu sprechen. Sprechen ist gut, gestikulierend zu stammeln triffts besser. Lustig ists deshalb umso mehr und unser Wortschatz vergrössert sich ständig! 🙂

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Während der Zugfahrt bekommst du alles. Von Kleidern und Schuhen über Zigaretten und Geldwechsel bis geräucherten Fisch und Salat. Sogar Ringe und Taschen wandern immer wieder an uns vorbei. Wir beobachten amüsiert was es hier so alles gibt.

Lange stehen wir an der Grenze. Es ist zwei Uhr Früh. Wir sind seit fünf Uhr Morgens auf den Beinen. Der erste Grenzbeamte kommt vorbei ‚you mustn’t sleep!‘ Wir sollen uns gefälligst hinsetzen und brav warten. Zwei Stunden wird das Ganze noch dauern. Die Toilette bleibt zugesperrt. Oh Schreck! Zum Glück haben wir ein leeres Joghurt-Tetrapack im 1L Format.. Dann kommt der nächste Grenzbeamte. Er will wissen, ob wir Computer, Fotoapparat und Handy haben. Vor allem für den Fotoapparat interessiert er sich. Alle Fotos werden angeschaut und bei dem ein oder anderen nachgefragt was das ist. Nebenbei interviewt er uns in gutem Englisch ob wir Drogen und Schusswaffen mitführen. Wo wir in Uzbekistan hinfahren und warum. In welchen Ländern wir schon waren und wo wir nach Uzbekistan hinfahren. Die Uzbeken nehmens sehr genau.

Der nächste Grenzbeamte fragt uns wieviel Geld und Medikamente wir mithaben. Er will die Medikamente sehen. Wir zeigen ihm unsere Hustenzuckerln. Dann schaut er sich unsere Taschen an. Zu unserer Erleichterung reicht ihm die Auskunft was drinnen ist und wir müssen nicht alles auspacken.

Endlich endlich rattert der Zug wieder. Wir dürfen Schlafen! Bis uns einer der Wagonbetreuer aufweckt um uns erneut mitzuteilen, dass wir im Luxusabteil sind. Normal müssten wir im Wagon 3 schlafen.. also die ganze Diskussion noch einmal und nicht zum letzten Mal. Sie wollen 50 Dollar von uns. Aber immer, wenn wir zusammenpacken und rübergehen wollen, sollen wir bleiben. Wir sollen auf unsere Räder schauen. Keine Ahnung warum sie dann nicht wollen, dass wir gehen. Vielleicht hoffen sie bis zu letzt auf Schwarzgeld? Etwas mühsam nur die Hälfte zu verstehen und weniger als die Hälfte sagen zu können.

Aus dem staubigen Fenster sehen wir Wüste, Wüste und – Vorsicht Überraschung – Wüste. Ein bisschen staubig grünes Gestrüpp ist die Sensation zwischendurch. Wie ein Standbild kommt es uns vor. Ungewiss ob der Zug wirklich fährt.. oder doch vor der immergleichen Szenerie verweilt..

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Nach 20 Stunden Zugfahrt steigen wir durchgeschwitzt in Urgentsch aus. Erfreut über den warmen, aber doch kühlenden Luftzug, der endlich unseren Schweiss trocknet, schwingen wir uns in die Sättel und strampeln noch 35km nach Khiva. Es gibt hier wieder Bäume!! Grüne Felder, gelbe Sonnenblumen, braune Flüsse, rote Blüten. Das Leben hat wieder mehr Farbe!! Rechts von uns geht die Sonne unter, links steigt der Mond empor. Überall treffen wir Menschen auf Fahrrädern. Sehr sympatisch! Ein Junge karrt auf seinem Dreirad mit grosser Ladefläche einen riesen Berg Heu nach Hause. Viele teilen sich ein Rad zu zweit. Eseln ziehen Kutschen schnaufend die ewig gerade Strasse entlang. Am Strassenrand werden Melonen und Getränke verkauft. Die Verkäufer sitzen gemütlich in ihren überdachten Betten. In den braunen Flüssen baden Burschen und Männer. Wasser ist ein tolles Gut. Sogar einen See sehen wir in der Ferne. Staun. Gerade sind wir noch mit dem Zug durch trockendste Wüste gerattert..

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3 Antworten zu rattata rattata

  1. Anonymous schreibt:

    👍👍😊

  2. blutundkaffee schreibt:

    oh mann oh mann oh mann oh mann, ihr seid tatsächlich da und esst hoffentlich ganz viele Melonen!! ROLL ON!
    iana

  3. Orkun schreibt:

    Super, eure Erlebnisse und Geschichten. Alles Gute weiterhin 😉
    Schöne Grüße aus İstanbul.

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