4 Tage – Schiff ahoi

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Das Schiff ‚Balaken‘ ist gerade mal 2 Jahre alt. Sie ist 155m lang, 17,5m breit und 13,5m hoch…davon befinden sich 4,5m unter Wasser. Ihre Crew besteht aus 21 Männer und 2 Frauen, sie kann 52 Bahnwaggons laden, 10 Passiere aufnehmen, sie hat 2 Anker zu je 3 1/2 tonnen, 2 Antriebsmotoren zu je 2000 ps, 2 Rettungsboote für je 34 Personen. In den Waggons befindet sich Hühner- und Rindfleisch aus Brasilien. Die Container wurden von Brasilien durch den Bosporus nach Georgien geschifft von dort mit dem Zug nach Aserbaidschan gebracht, nun geht es übers Kaspische Meer nach Aktau (Kasachstan) und dann nur noch ein paar Tage Bahnfahrt bis zum kasachischen und russischen Endkunden der die weitreisenden Hühner und Rindersteaks verspeist.

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Zugwagons am Schiff

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Rettungsboot

Eine Schiffsrunde zu Fuss dauert ca. 5 Minuten. Wir könnten euch noch etliches mehr von der Balaken erzählen. Immerhin hatten wir sehr viel Zeit auf der Fähre um jeden Winkel erkunden zu können. Die Balaken war unser zu Hause für 4 Nächte und 4 Tage (genau 92 Stunden)

Aus Baku sind wir gut weggekommen und mit 12 Knoten nach Aktau geschippert. Nach ca. 23 Stunden Fahrt waren wir nur noch 2 Seemeilen von Aktau entfernt. Dort blieben wir auch die nächsten Nächte und Tage. Aktau so nah und doch so fern. Wir mussten 2 Seemeilen vor Aktau ankern, weil es in Aktau nur 2 Anlegeplätze gibt und vor uns bereits 3 Schiffe auf das Anlegen warten und wieder ent- bzw. beladen werden müssen. Ausser uns sind noch 2 weitere Passagiere an Board. Jeremy, der Radler aus England, und ein georgischer Kickboxer der zu einem Tunier nach Kasachstan fährt. Jeremy erzählt uns von seiner einjährigen Weltumsegelung mit einem 20m langem Segelboot…wir sind beeindruckt.

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Es ist interessant die Tätigkeiten der Crew mit zu verfolgen. Die Kapitäne und Maschineningenieure zeigen uns alles sehr stolz und alles wird uns erklärt. In dieser kurzen Zeit erhalten wir quasi eine Seemannsausbildung. 🙂 Der Maschinenraum beeindruckt uns…er umfasst 3 Etagen und jede Etage ist riesig. Das Schiff wird sehr sauber gehalten. Täglich wird geputzt. Die Tage vergehen mit viel schlafen und lesen…um uns die Füsse zu vertreten gehen wir täglich ein paar Schiffsrunden, stretchn unsere müd gewordenen Muskeln und warten auf das Essen. Frühstück, Mittag und Abendessen…die Höhepunkte des Tages. Ich erinnere mich an die Serie ‚das Traumschiff‘ und dass ich dachte, alle Schiffe mit denen man länger unterweg sei, sind mit Pool, Casino, Kino etc. ausgestattet. Wir dürfen um wenig Geld in der Kartine mitessen…es ist nicht viel was wir bekommen, aber ausreichend. Keine Nachspeisen…wir sind auf Zuckerentzug und träumen von kleinen Lieferbooten die uns ans Schiff Schokolade, Kuchen, Torten und sonstige Leckerein bringen. Der Traum geht leider nicht in Erfüllung. Süssigkeiten Lieferboote eine noch unentdeckte Marktnische?!

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Beim Essen herrscht eine Klassentrennung…zuerst isst die first class (die Crew) und dann wir die Passagiere. Natürlich in einem angrenzenden Raum mit Sichtschutz zur first class.

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Tag 4. Sonnenschein. Nach wie vor Salzwasser links, rechts, vorne und hinten, rund um unser Luxusquartier herum. Eine kleine Fliege kommt uns besuchen. Die Sensation des Tages. Eine Vorbotin des Festlandes. So nah am Ziel. Und doch unglaublich weit entfernt. Ansonsten quälen uns auch hier Entscheidungen: Sollen wir eine Runde aufs Deck gehen oder noch eine Runde schlafen? Sollen wir vor oder nach dem Abendessen duschen? Unlösbare Dilemma. Die Jagt auf zuckerüberzogene Lebkuchenkekse, die nicht für uns gedacht sind, wird zum aufregenden Spektakel. Leider wurde unser Abenteuer zu früh beendet – wir bekamen die Kekse einfach so geschenkt.. ein kleines bereicherndes geschmackliches Erlebnis bliebs trotzdem.

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Baku

Dialog bei Sonnenuntergang:

B: Wow. Wir sind auf der Fähre nach Aktau.

C: Ja. Org.

B: Unglaublich. Die Fähre ist ein Meilenstein. Ich hab so viel gelesen über diese Fähre. Ich hab ur oft das Bild in meinem Kopf gehabt, ich steh auf der Fähre und winke Baku.. und jetzt ist es wirklich! Der enzige Unterschied, ich habe gedacht, dass da mehr Passagiere sind. Jetzt sind wir nur vier.

C: Ja. Wahnsinn. Das war immer so weit weg.. Das haben wir immer so dahingesagt, Thailand, um die Fragenden zufrieden zu stellen.

B: Ja. Und jetzt sind wir in Zentralasien. Wow. Thailand wird realistisch. Es ist noch immer weit weg, aber jetzt kann ichs mir vorstellen.

C: Ja. Voll krass. Gleich sind wir in Kazachstan. In der Wüste. Das war auch immer so ewig weit weg. Eigentlich wollt ich dort nie hin. Und jetzt sind wir da..

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Eine Antwort zu 4 Tage – Schiff ahoi

  1. Sil schreibt:

    „eigentlich wollte ich dort nie hin. Und jetzt sind wir da.“ 😀 😀 😀 😀

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