vom saftigen Grün ins sandige Gelb

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die heisse sonne jagt uns wieder zeitig aus dem zelt. ab 7 ist es nicht mehr auszuhalten, da hilft kein totstellen im schlafsack. im märz war das erfolgreicher – hach, die gute alte zeit.. 😉

IMG_1963walnussbaumalleen spenden uns kühlen schatten während wir die recht verkehrsarme strasse nach zaqatala entlangstrampeln. dann biegen wir auf eine hübsche nebenroute nach qax. zumindest haben wir uns sagen lassen, die sei hübsch.. ganz können wir das leider nicht teilen, denn ca 5 km nach der abzweigung hört der asphalt auf. wir kämpfen uns über eine steinpiste – schätzungsweise 20km. wir sehen nur staub, steine und schlaglöcher. hohe konzentration, niedrige geschwindigkeit, innerliche flüche und zwei radler die uns !freiwillig! durch die hitze begleiten. früher sind sie wohl nur über solche strassen um die welt geradelt, ganz zu schweigen von den leuten die hier wohnen und täglich mit dem rad über steine poltern.. verweichlicht die menschheit..??

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in qax erkundigen wir uns über den strassenbelag nach shaki. ja, alles asphalt. juhu! weiter gehts den kaukasus entlang. rechts grüne hügel, links ebene. wir kreuzen ausgetrocknete flusstäler. schade..dass wird wohl nix mit ner kühlen dusche..

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eine rinderherde kommt uns auf ihrem nachhauseweg entgegen – ohne hirten. gut erzogen! ein kalb klappert besonders laut mit den hufen. und hinkt. au! ein vorderhuf steckt in einer konservendose fest! wir versuchen dem kalb näherzukommen. erfolglos, die herde wird unruhig. sie laufen uns davon oder senken verärgert ihr haupt, ihre hörner uns einladend entgegengerichtet.. hoffentlich haben sie keinen weiten heimweg..

auch wenn es hier halbwegs sauber aussieht, es gibt immer wieder richtige müllhalden. und das ist wohl der grund für solche unglücke.

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unser türkisch wird wieder aufgefrischt! wir habens noch nicht vergessen 😉 azerbaijanisch hat zb das gleiche zahlensystem. es kommt uns ein bisschen so vor wie schweizerisch und österreichisch. überhaupt fühlt sich azerbaijan sehr türkisch an. die produkte in den kleinen läden sind die gleichen wie in der türkei – nur um ein vielfaches teurer. uns wird wieder vermehrt ‚hey hey hey‘ oder ‚hello hello‘ zugerufen. von kindern, von hirten, von feldarbeitern, von backgammon spielenden männern. und ein enttäuschtes ‚heeeeeey‘ begleitet uns, wenn wir einfach weiterradeln, anstatt ihre einladenden gesten uns zu ihnen zu setzen und mit ihnen chai zu trinken anzunehmen. ganz witzig ist das azerbaijanische ‚hello hello‘. es klingt weiter hinten am gaumen, mit einem langgezogenen e und hört sich an wie ein ’na hallo, so geht des oba net!‘ ist aber durchaus freundlich gemeint.

wie üblich sieht man auch hier fast nur männer auf den strassen sitzen. die frauen, die nicht in den kleinen läden oder am markt arbeiten, verstecken sich wohl lieber in ihren häuschen. in azerbaijan ist backgammon spielen wieder sehr beliebt – wie in der türkei. in georgien wars mehr das trinken..vom vormittag bis in die nacht hinein wird gesellig getrunken. freudig und friedlich. wir haben nie ein stenkern, geschweige denn aggression, erlebt. alle haben zeit. jeder tag ist ein sonntag.

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die strasse nach shaki ist wirklich gut zu fahren. schöne umgebung. viele laaaange anstiege, die eigentlich eh gut zu fahren gehen.. aber es ist so verdammt heiss!!! und ständig sieht es so aus, als obs dort vorne wieder bergab geht. ja, ganz bald geht es bergab! wir sind uns totsicher! diesmal wirklich! und und und – es geht bergauf.. stöhn.. aber dort vorne, nach dieser kurve, da geht es wirklich bergab. ich mein, da kanns nirgends mehr rauf gehen, da ist ja nix höheres mehr da.. radel radel schwitz schwitz.. NEEEEiiii…n.. ein schmerzerfüllter schrei vertrocknet in der kehle.. der anstieg geht weiter..

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warum sind wir auch so blöd und fahren nicht bei nacht??? da wär überall schatten… erschöpft von den vielen laaaangen anstiegen fallen wir in den schatten von einem kleinen mauerwerk. und dann gibts erst mal viel wasser und zucker – erdnüsse in zuckerguss mit sesammantel. mmmmmh. die welt sieht wieder besser aus. genug energie zum haare schneiden. zeit wirds für die luftige wüstentaugliche frisur 🙂 raus aus dem schatten wagen wir uns erst zwei stunden später. und dann kommt endlich die lohnende abfahrt 🙂 wie wohl dieser luftzug um unseren körper tut!

leider wird es viel zu schnell dunkel. oder es ist zu lange heiss.. auf jeden fall würden wir die kühle abendluft gerne länger am rad geniessen. dafür finden wir ein nettes zeltplätzchen neben einem flüsschen. jaaaaa, duschen!! dazu müssen wir uns noch durchs gestrüpp schlängeln. im letzten gebüsch verharren wir. unsere augen scannen das ufer ab. ist hier jemand? schliesslich wollen wir nicht entdeckt werden! die luft scheint rein. nur von den über die brücke fahrenden autos könnte uns jemand sehen. betti zieht deshalb die dusche beim zelt mit dem waschlappen vor. mich reizt das verlockende viele nass zu sehr und wage mich aus dem dickicht, husche über den schlamm zum fluss und hockerl mich im schatten eines busches zum wasser. nochmals scannen meine augen die umgebung ab. ich fühl mich wie eine antilope aus dem universum, die durstig ist und sich vor krokodilen und löwen hüten muss. kein krokodil in sicht. also schnell zum wasser. vorsichtig fühle ich mit meinen händen in das cremig dunkle wasser. sehr dunkler, fast schwarzer schlamm. sandiges milchiges wasser. ob mich das wasser sauberer macht? dreckiger sicher auch nicht 😉 weg mit den kleidern und rein ins vergnügen!! zwischendurch der antilopenblick der die gegend scannt. oooh, ist das fein!! freudig erfrischt gehts zurück durchs gestrüpp..

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bei gabala gibts einen see!!! zum schwimmen!!!! oooooh, wasser dass uns ganz und gar umgibt!! wie oft haben wir schon von der alten donau geträumt!! zum ersten mal auf unserer reise können wir wirklich schwimmen. und vielleicht zum letzten mal? ausser dann in südostasien.. im februar oder so..

heiss, heisser, am heissesten und dann??? azerbajian ist am heissersten. kazachstan wird noch heisserstener. und uzbekistan überhaupt am aller heisserstenersten. ein wahnsinn!! hier sind sogar die e’s vor hitzestich am kopf gefallen.. nicht nur wir.. wie soll das weitergehen??!!

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links von uns grüne büsche, bäume, felder und dann plötzlich die berge des kaukasus. ein paar schneebedeckte gipfel blinzeln zwischen grün bewaldeten hügeln hervor. zu unserer rechten der krasse gegensatz – verdörrte felder, sanfte gelbbraune hügel, ein bisschen grün dazwischen. dazu grillengezirpe und insektenmusik. die hitze surrt.

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und wir sitzen in der dusche. ja, sitzen. ein paar stündlein täglich gönnen wir uns das. mit integriertem salzpeeling. richtige prinzessinnen sind wir geworden 🙂 pause machen wir nur für unseren schönheitsmittagsschlaf..
…zum glück ist in träumen alles möglich.. sogar räder werden zu wellnessoasen und unser körpereigenes salz und wasser verwöhnt uns.. 😉

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um 5 kriechen wir müde aus unserem zelt. auf in den sattel und der sonne entgegen! bevor wir uns schon wieder vor ihr flüchten müssen. ein paar km später wandelt sich die landschaft plötzlich. jetzt gibt es nur noch braune hügel. erde und vertrocknetes gras. abgeerntete felder. weit und breit kein grün. lebensfeindlich. eine schafsherde knabbert die letzten lebenden grashalme aus den verdörrten feldern. am strassenrand kochen die töpfe – kukuruzkolben und chai. ein harter arbeitsplatz..

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..und ein harter lebensplatz. ein kalb kurz angebunden in der mittagssonne. kein schatten. kein wasser. keine mama.

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die fussgänger der wüste…

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…versammeln sich zahlreich in den einsamen bushaltestellen.

ab und zu gibt es lebenszeichen. ein paar bäume trotzen dem klima. mandeln, föhren und noch ein paar wahnsinnige. und dann regentropfen. keine wolke weit und breit, aber regentropfen 🙂 vielleicht werden wir jetzt wirklich verrückt.. o-o-ohhhh, da wartet was auf uns!!! eine fatamorgana…

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unvorstellbar, es soll hier im winter sogar schnee geben..und im frühling alles grün sein.. unsere ersten russisch-türkisch-gestischen unterhaltungen. während wir im schatten auf einer getreidewaage die heisserersten stunden des tages verbringen. sesseln, tisch und sogar klappbett mit kopfpolster und decke kommen geflogen. (diesmal keine fatamorgana!) und chai natürlich. den schwarztee trinken sie hier ein bisschen anders – der zuckerwürfel kommt nicht ins gläschen, sondern in den mund. praktisch, so braucht man keine löffel zum umrühren!

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ganz stolz und mit funkelnden augen erzählen uns die beiden männer von ihren kindern und enkelkindern, schwärmen vom meer und erklären uns den 2.weltkrieg aus ihrer sicht und dass man von hier aus den iran sieht. besonders stolz sind sie auf die sehenswürdigkeit der stadt – eine moschee im felsen aus dem 15.jahrhundert. wir werden aus dem schatten in die sonne der moschee entführt. so kommen auch wir zu kultur 😉

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in azerbajian sind die städte hinter stadtmauern versteckt. grosse kinder die ritterburg spielen? 😉 die häuser, fenster, das leben ist von der strasse abgewandt. in der türkei und georgien ist die strasse das leben. vor den häusern, vor den gärten stehen bänke auf der strasse. schliesslich will jeder alles mitbekommen.

überfreundliche autofahrer geben uns den rest. genau wenn sie neben uns sind HAUEN sie auf die hupe ‚TÖÖÖÖT!!!!!‘ vergrössert unsere liebe zu autofahrern immens.. jaa, wahrscheinlich meinens sies eh lieb und wollen uns anfeuern, aber es tut halt nun mal weh in den ohren!! und bei der hitze ist alles doppelt so schlimm..

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es gibt nichts geileres als, wenn du schon stunden in der mittagshitze unterwegs bist, total überhitzt und verschwitzt, dich einfach nichts mehr freut, du am liebsten am strassenrand in den buschschatten fallen würdest.. wenn du dann an eine dieser tränken kommst, dein rad abstellst, zur tränke taumelst und deinen überhitzten kopf in das frische nass steckst. wwooaaaawww!!! kaltes wasser bahnt sich seinen weg durch deine haare, findet deine glühende kopfhaut und erfrischt deine ohren. dein oberstübchen bekommt wieder normaltemperatur. wahnsinn!! das leben ist so wunderschön 🙂

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Eine Antwort zu vom saftigen Grün ins sandige Gelb

  1. Tina Reiskopf schreibt:

    Hey ihr 2! Das sind wirklich tolle Berichte…man kann sich gut reinfühlen in eure Radabenteuer 🙂 Ich lese fleißig voll Bewunderung und Respekt vor eurem Mut und Abenteuerlust. Freue mich für euch, dass ihr so eine tolle Zeit verbringt und das alles miteinander teilen könnt 🙂
    Morgen steigt der Nightrow. Schade, dass ihr nicht dabei seid, aber irgendwie trotzdem gut für uns -> 2 starke Gegner weniger 😉
    Grüße aus der Heimat und weiterhin gute Reise!!
    Tina

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