wochenlange Tage

weil so viel passiert, fühlt sich so mancher Tag wie eine Woche an…

wir wurden erhört! die welt hat sich über nacht geglättet!! 🙂 ab kastamonu gehts locker flott dahin. wir geniessen die endlich mal wieder einfachen km, strahlen über das ganze gesicht, jauchzen freudig durch die hübsche landschaft.. ‚krrrrk‘ bettis hintere bremsen blockieren plötzlich. warum? wir suchen den übeltäter und finden eine gebrochene felge. oh shit!

während wir unser joghurt mit früchten verschmausen, beraten wir was wir tun. per autostop in den nächsten ort. wir positionieren uns grad erst auf einem günstigen plätzchen, da bleibt auch schon ein pritschenwagen stehen. yusuf und mehmet. die beiden nehmen uns mit nach tasköprü und bringen uns sogar direkt zum radgeschäft. lange wird beraten und übersetzt. leider haben sie kein shimano-werkzeug um die kranzln abzuschrauben. also müssen wir zurück nach kastamonu. yusuf und mehmet bringen uns klarerweise die 50km zurück und warten dort mit uns..
klarerweise. das ist hier so org.. unfassbar. unser problem ist das wichtigste für sie. ihr tagesplan wird einfach verworfen. sie kümmern sich jetzt nur um uns.

IMG_1110IMG_1107das radgeschaeft in kastamonu wusste zunaechst gar nicht wie sie den reifen herausbekommen…ich (betti) schulte sie ein in sachen radtechnik und versuchte mit haenden und fuessen zu erklaeren was ich wollte…schlussendlich wurde uns ein anderes radgeschaeft vermittelt. yusuf und mehmet sausten mit uns quer durch die stadt und wir wurden fuendig. ich fand eine halbwegs gute felge mit shimano nabe…okay die nabe ist eine eher nicht so gute und es ist ein 10fach ritzelpaket oben…meine schaltung, kettenlaenge und kettendicke ist auf ein 9fach ritzelpaket ausgelegt…aber was solls…auch das funktioniert irgendwie. bei naechster gelegenheit wird das rad umgespeicht…denn wie der zufall will, ist die speichenanzahl der neuen felge gleicht meiner alten 🙂

wir gehen gemeinsam mit yusuf und mehmet spaetnachmittags – wegen der radverzögerung – mittagessen, dann fahren wir wieder die 50km in ihren heimatort. sie wollen uns einfach noch nicht loswerden. ein paar lustig-spannende gemeinsame stunden, weil wir wegen der sprachschwierigkeiten nicht ganz verstehen, was sie vorhaben. und wir uns einfach drauf einlassen müssen, unsere vorstellung von immer wissen was als naechstes passiert fallenlassen..

IMG_0942 yusuf und mehmet zeigen uns eines der schönsten plätzchen in der umgebung ihres ortes tesköprü. wir verbringen den sonnenuntergang zu viert in der natur. knabbern chips, lernen die salzigen noch in kompletter schale eingehüllten sonnenblumenkerne richtig zu essen und versuchen uns zu unterhalten. lachend misslingt dies immer wieder. die beiden haben uns sogar gefragt, ob es ok für uns ist, wenn sie bier trinken. darf man hier ja eigentlich nicht. wir waren trotzdem von der rücksichtsvollen frage überrascht. das bier haben sie an einer strassenkreuzung vom fahrer eines anderen autos in einem schwarzen sackerl erhalten. wow, die sind hier gut organisiert.

die sonne ist untergegangen, wir packen unsere sachen zusammen. selbstverständlich werden die leeren chipssackerln, bierflaschen und fantadosen zusammengesammelt und schön hinter einem stein platziert. sicher nicht, wenn wir dabei sind!! wir packen den müll in ein sackerl und werden gestopt: wir können die bierflaschen nicht mitnehmen weil sie niemand sehen darf. ok, dann verstecken wir sie in einer unserer radtaschen und werfen sie morgen in eine mülltonne. nein, das geht auch nicht weil die flaschen sicher scheppern. unsere diskussion wird heftiger – da krachen zwei unterschiedliche weltbilder aufeinander. schliesslich setzen wir uns durch und der gesamte müll wird in eine der zahlreichen mülltommen im ort geworfen. alles kein problem, wenn mann nur will 😉

tja, das mit dem müll ist hier so eine sache.. bei jedem einkauf erhält man mindestens ein dünnes plastiksackerl, dass wegen seiner dünnheit leider nur einmal verwendet werden kann. oft wollen die verkäufer jedes obst in ein extra sackerl verpacken. auch jeden kleinen einkauf von zwei kekspackungen oder nur wasser bekommt man in so einem sackerl. wir haben viel versucht ihnen zu erklären, dass wir alles ohne sackerl nehmen. eine herausforderung! mit einer geste den einkauf zu nehmen und einem ‚tamam‘ (in ordnung, passt schon – dem lieblingswort der türken) gelingt uns das mittlerweile immer öfter. das sind so die kleinen erfolgserlebnisse in unserem alltag 🙂

mülltrennung gibts hier nur in der form, dass leute grosse gefährte durch die strassen schieben und aus den mülltonnen mühsamst eine art von müll hinauskramen: karton, plastikflaschen, eisen.. harte arbeit!

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weiter gehts am naechsten Tag durch Hanönü. ein kleines nettes dorf. wir bleiben bei einem kleinen supermarkt stehen. ich kaufe schnell ein bisschen obst, getrocknete feigen und schokoriegel. so kurz habe ich betti allein gelassen, da ist sie auch schon von einer traube männern umzingelt.

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aufgeregt reden sie und empfangen mich sogleich mit ‚claudia, whats your job?‘ haha, ein journalist. und jemand der auf englisch übersetzt. und ein paar neugierige 🙂 sie wollen mit uns fotos vor und in dem historischem ‚hotel‘ machen. ok, ist sicher witzig, wir spielen mit. das hotel sieht so aus wie ein sauberer kühler weinkeller. nach dem fotoshooting werden wir auf ein mittagessen eingeladen und weiter begeistert interviewt. lustig lecker. auf die frage wo wir uns denn duschen – in flüssen und mit kaltem wasser aus den tränken hier – landen wir in der warmwasserdusche des bürgermeisters, der mittlerweile auch mit am tisch sitzt. wow, wow, wow!!! warmes wasser ist so was feines!!!

so kommen wir schon das 2. mal in eine lokale zeitung. in zonguldag mit joan-marc haben sie uns auch auf der strasse erspäht. dort waren sie allerdings mit der information woher wir kommen und einem foto zufrieden. das war auch lustig, so völlig unerwartet..

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Eine Antwort zu wochenlange Tage

  1. Dagmar schreibt:

    Es ist jedes Mal wieder faszinierend euren Geschichten zuzuhören – fast so, als wäre man selbst dabei!

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